{"id":171,"date":"2019-09-03T16:30:00","date_gmt":"2019-09-03T16:30:00","guid":{"rendered":"https:\/\/utegliwa.de\/?p=171"},"modified":"2020-04-30T16:35:46","modified_gmt":"2020-04-30T16:35:46","slug":"innig-verbunden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/utegliwa.de\/index.php\/2019\/09\/03\/innig-verbunden\/","title":{"rendered":"Innig verbunden"},"content":{"rendered":"\n<p>Anleitungen f\u00fcr japanische Bondage gibt es im Internet massenhaft, doch ohne grundlegende Vorkenntnisse bleibt es ein Gefriemel. Auch die Umsetzung eigener Ideen erweist sich ohne die richtigen Seile, Knoten und Techniken als schwierig, mit etwas Pech sogar gesundheitssch\u00e4digend. Seit unserer Teilnahme an einem Workshop k\u00f6nnen wir uns beim Fesseln nun einfach dem Vergn\u00fcgen hingeben.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-medium\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"300\" height=\"200\" src=\"https:\/\/utegliwa.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/891F9226.JPG.pagespeed.ce_._tMabRfrCW-300x200.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-173\" srcset=\"https:\/\/utegliwa.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/891F9226.JPG.pagespeed.ce_._tMabRfrCW-300x200.jpg 300w, https:\/\/utegliwa.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/891F9226.JPG.pagespeed.ce_._tMabRfrCW-768x512.jpg 768w, https:\/\/utegliwa.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/891F9226.JPG.pagespeed.ce_._tMabRfrCW.jpg 900w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Das Spiel mit Macht und Unterwerfung\nfand ich schon immer sehr reizvoll. Nicht dass ich ausschlie\u00dflich\ndevot oder dominant w\u00e4re, aber jemandem zu zeigen oder gezeigt\nbekommen, wie m\u00e4chtig und bedingungslos man begehrt (wird), ist\nunglaublich erregend f\u00fcr mich. Das Spiel mit Seilen ist nur eine\nFacette davon. Jemanden in einer bestimmten Stellung fixieren zu\nk\u00f6nnen und die H\u00e4nde zur ungest\u00f6rten Liebkosung frei zu haben oder\nandersherum dem Partner und seiner Fantasie vollkommen ausgeliefert\nzu sein, weil man von Seilen gehalten wird und sich fallen lassen\nkann ohne nachdenken oder etwas tun zu m\u00fcssen. Ich mag auch den\nAnblick einer Fesslung auf dem nackten K\u00f6rper, wenn zum Beispiel die\nBr\u00fcste umrahmt und dadurch akzentuiert werden. Mit dieser\nVorstellung habe ich bei meinem Mann offene T\u00fcren eingerannt, aber\n\u00fcber eine relativ st\u00fcmperhaft improvisierte Fesslung mit weichen\nBaumwollseilen kamen wir nie hinaus. Spa\u00df hat es uns trotzdem\ngemacht, aber ich dachte, ein wenig mehr Knowhow in der Richtung\nk\u00f6nnte nicht schaden. Wer wei\u00df was wir noch so alles lernen und zu\nunserem Vergn\u00fcgen einsetzen k\u00f6nnten.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor Kurzem haben wir also an einem\nWorkshop f\u00fcr japanische Bondage teilgenommen. Matthias Grimme und\nseine Bondage-Partnerin und Co-Trainerin Nicole, die das \u201eBondage\nProject\u201c in Hamburg betreiben, haben neulich einen Kurs in Berlin\ngegeben. Matthias, urspr\u00fcnglich Sozialarbeiter und seit vielen\nJahren Herausgeber des BDSM-Magazins \u201eSchlagzeilen\u201c, betreibt\nschon seit etwa 30 Jahren Bondage. Nicole ist als Bondage-Model seit\nfast 20 Jahren dabei, seit 15\nfesselt sie auch selbst aktiv.<\/p>\n\n\n\n<p>Die beiden empfangen uns und die\nanderen Kursteilnehmer in einem K\u00fcnstleratelier in einem Kreuzberger\nHinterhof. Als wir eintreffen, sind schon einige der sieben\nteilnehmenden Paare in der ebenerdigen K\u00fcche versammelt. Es sind\nauff\u00e4llig viele sehr \u00fcppige Frauen und M\u00e4nner anwesend.\nWahrscheinlich ist es f\u00fcr schwergewichtige Menschen besonders sch\u00f6n\nzu \u201efliegen\u201c, \u00fcberlege ich mir, denn hier soll es nicht nur f\u00fcr\nAnf\u00e4nger um grundlegende Fesseleien am Boden, sondern f\u00fcr die\nFortgeschrittenen auch um H\u00e4ngebondage gehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als alle beisammen sind, begeben wir\nuns in das ger\u00e4umige Atelier im Keller hinunter. Auf dem Boden\nliegen Tatami-Matten, an den backsteineren W\u00e4nden und gemauerten\nS\u00e4ulen h\u00e4ngen gerahmte Bondage-Fotos, an der Decke starke Haken.\nWir setzen uns im Quadrat auf niedrige Polster, ein paar der \u00fcppigen\nDamen legen Decken auf den Boden und lassen sich im Schneidersitz\ndarauf nieder, zu F\u00fc\u00dfen ihrer Begleiter. Bei der Vorstellungsrunde\nf\u00e4llt uns auf, dass wir die einzigen Berliner sind, alle anderen\nsind f\u00fcr das Wochenende angereist: aus Cottbus, aus Frankfurt am\nMain, aus K\u00f6ln und anderswo. Der Altersdurchschnitt d\u00fcrfte um die\nvierzig liegen. Die meisten praktizieren Bondage schon l\u00e4nger, haben\nteilweise auch schon Kurse bei Matthias und Nicole besucht. Die\nbeiden bitten darum, dass alle ihre k\u00f6rperlichen Befindlichkeiten\nnennen, auf die sp\u00e4ter beim Fesseln R\u00fccksicht genommen werden\nsollte. Hier zickt ein Knie, dort eine Schulter, da der R\u00fccken, fast\nalle haben irgendein Zipperlein. Das ist nicht das hartgesottene\nBDSM-Volk, das wir erwartet haben. Nur einer, der neben uns sitzt,\nwirkt mit seiner Glatze und seiner gestrafften K\u00f6rperhaltung wie ein\nharter Kerl. Bei sich tr\u00e4gt er einen silberfarbenen Koffer, der wohl\nseine Instrumente beherbergt.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann wird es erstmal eine halbe Stunde\nsehr sachlich. Matthias und Nicole fangen mit den wichtigsten\nGrundlagen an, nicht nur f\u00fcr alle Neulinge, sondern auch f\u00fcr die\nKenner zum Auffrischen. Ganz oben steht: der Gefesselte ist nicht das\n\u201eOpfer\u201c, sondern der Partner. Seine Befindlichkeiten haben beim\nFesseln immer oberste Priorit\u00e4t, sei es eine juckende Nase, kalte\nF\u00fc\u00dfe oder einschlafende H\u00e4nde. Den W\u00fcnschen des Gefesselten ist\nimmer sofort Folge zu leisten, gerade, aber nicht nur, bei\nH\u00e4ngebondage. Einschlafende Gliedma\u00dfen m\u00fcssen sofort befreit\nwerden, damit es nicht zu langfristiger Besch\u00e4digung der Nerven oder\nTaubheit in den Fingern kommt. Zwischen einem ersten unangenehmen\nKribbeln und Gar-nicht-mehr-aushalten-k\u00f6nnen liegen oft nur ein paar\nwenige Augenblicke. Deshalb ist es auch extrem wichtig, den\nGefesselten niemals allein im Raum zu lassen, und sei es auch nur f\u00fcr\neinen kurzen Moment, um etwas zu holen. F\u00fcr den Notfall, falls das\nAbfesseln nicht schnell genug geht, sollte man auch unbedingt ein\ngeeignetes Schneidewerkzeug griffbereit halten, zum Beispiel eine\nstarke Schere mit abgerundeten Spitzen oder ein Tauchermesser.<\/p>\n\n\n\n<p>Gefesselt wird mit Hanf- oder\nJuteseilen, die es in verschiedenen L\u00e4ngen und St\u00e4rken gibt,\n\u00fcblich sind Seile in 5 bis 6 mm Dicke und 8 Meter L\u00e4nge.\nAuf dem Boden oder im Bett besitzen die DIN-Normen keine\nRelevanz, aber bei H\u00e4ngebondage ist unbedingt auf die Tragf\u00e4higkeit\nzu achten. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Leichtfertig gehen Matthias und Nicole\nmit den Gefahren beim Bondage definitiv nicht um. Beiden fallen immer\nneue potenzielle Risiken und tats\u00e4chliche Vorkommnisse ein. So dumm\nwie es manchmal kommt, kann man gar nicht denken. Was mache ich zum\nBeispiel bei Feueralarm mitten in der sch\u00f6nsten Session? Und wie\nsieht es mit der rechtlichen Situation aus. In welchen L\u00e4ndern\nstellt beiderseitig einvernehmliches Bondage trotzdem\nFreiheitsberaubung dar und wo kann man es ungestraft aus\u00fcben?<\/p>\n\n\n\n<p>Alles wichtige Aspekte, keine Frage,\naber mir schl\u00e4ft schon der Po vom unbequemen Sitzen auf den\nPolsterhockern ein und ich bin dankbar, als es endlich an die Praxis\ngeht. Wir sollen unsere Schuhe ausziehen und bei Bedarf in bequeme\nKleidung wechseln. Der Verwegene neben uns packt sich auch gleich\nseinen Koffer auf den Scho\u00df und l\u00e4sst die Verschl\u00fcsse\naufschnappen. Wir schauen automatisch zu ihm r\u00fcber, insgeheim\ngespannt, was er wohl zu Vorschein bringen wird. Als er seiner Frau\nhellblaue Pl\u00fcschsocken f\u00fcr den fu\u00dfkalten Kellerboden r\u00fcberreicht,\nbricht die ganze Runde in Gel\u00e4chter aus.<\/p>\n\n\n\n<p>Einige der Frauen gehen sich umziehen\nund kehren in Leggins und enganliegenden Oberteilen ohne BH zur\u00fcck,\ndas ist wichtig, damit die Fesselungen dann auch gut sitzen und\nnichts einklemmen k\u00f6nnen. Eine der Teilnehmerinnen hat ihren\nOberk\u00f6rper komplett entbl\u00f6\u00dft und ich tue es ihr gleich, denn ich\nsp\u00fcre die Ber\u00fchrungen meines Mannes und das Gef\u00fchl der festen,\nleicht kratzigen Seile lieber auf meiner nackten Haut. Wir suchen uns\nein Seil und eine Tatami-Matte und \u00fcben den Basisknoten, den Nicole\nund Matthias uns gezeigt haben. Wir fesseln uns gegenseitig die\nH\u00e4nde, erst vor dem K\u00f6rper, dann die Arme parallel hinter dem\nR\u00fccken und \u00fcber dem Kopf im Nacken. Der Trick ist es, die H\u00e4nde\neher locker zu fesseln und die Fesselungen am K\u00f6rper anschlie\u00dfend\neher fester, denn die H\u00e4nde schlafen immer als erstes ein. Ein guter\nTipp, das haben wir im Bett immer falsch gemacht, und dann habe ich\ndie Fesselung nie so lange ausgehalten wie wir es gerngehabt h\u00e4tten.\nNachdem wir den Basisknoten beide draufhaben, beginnen wir mit\nverschiedenen Oberk\u00f6rperfesselungen, das hei\u00dft, jetzt fesselt nur\nnoch mein Mann und ich lasse mich fesseln. Er f\u00e4ngt auch ziemlich\nschnell an rumzuprobieren, was ziemlich lustig ist, und entweder\nNicole oder Matthias kommen bei uns vorbei und geben Anregungen und\nTipps. Ich als Gefesselte soll mich m\u00f6glichst nicht bewegen, sondern\nmich passiv verhalten und mich fesseln lassen. Sie zeigen uns, wie\nman das Seil ganz einfach mit einem zweiten verl\u00e4ngert, wie man\ndamit vom Oberk\u00f6rper zum unteren Teil des K\u00f6rpers \u00fcbergehen kann\nund wie man die Seilenden am Ende \u00e4sthetisch verknotet damit nichts\nst\u00f6rend runterh\u00e4ngt. Es gibt noch ein paar andere Anf\u00e4ngerpaare,\ndie wie wir bei den Grundlagen auf dem Boden bleiben, die anderen\nsind im anderen Teil des Raumes schon mit anspruchsvolleren\nH\u00e4ngefesselungen besch\u00e4ftigt. Sie sind alle sehr ernst und\nkonzentriert am Werk, w\u00e4hrend mein Mann und ich nebenbei herumalbern\nund lachen und knutschen, w\u00e4hrend seine H\u00e4nde sich immer mal wieder\nauf meine nackten, gefesselten Br\u00fcste verirren.<\/p>\n\n\n\n<p>Zum Schluss fragt Nicole, ob ich nicht\nprobeweise auch einmal h\u00e4ngen m\u00f6chte. Zack zack verschn\u00fcrt sie\nmich kunstvoll und h\u00e4ngt mich an drei Seilen &#8211; eins an der Schulter,\neins an der H\u00fcfte und eins am Knie &#8211; an einen Haken. Es f\u00fchlt sich\nschon ganz sch\u00f6n an, so zu schweben, und an den l\u00fcsternen Blicken\nmeines Mannes sehe ich, dass es ihm auch gef\u00e4llt und seine Fantasie\nganz sch\u00f6n auf Touren bringt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Seile hinterlassen nach dem\nAbfesseln wundersch\u00f6ne Abdr\u00fccke auf der Haut, anders als bei der\nflauschigen Baumwolle. Und sie halten besser. Selbst wenn man die\nHandfesselung l\u00f6st, weil die H\u00e4nde anfangen zu kribbeln, bleiben\ndie Schn\u00fcrungen um den K\u00f6rper ganz fest. Am n\u00e4chsten Tag bestellen\nwir uns auch solche.  \n<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anleitungen f\u00fcr japanische Bondage gibt es im Internet massenhaft, doch ohne grundlegende Vorkenntnisse bleibt es ein Gefriemel. 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