{"id":181,"date":"2020-11-13T12:47:17","date_gmt":"2020-11-13T12:47:17","guid":{"rendered":"https:\/\/utegliwa.de\/?p=181"},"modified":"2021-04-13T12:47:58","modified_gmt":"2021-04-13T12:47:58","slug":"selbstliebe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/utegliwa.de\/index.php\/2020\/11\/13\/selbstliebe\/","title":{"rendered":"Selbstliebe"},"content":{"rendered":"\n<p>Schon als Dreij\u00e4hrige trug ich sehr\ngern kurze Kleidchen und darunter pastellfarbene Nylonh\u00f6schen mit\nReihen wei\u00dfer R\u00fcschen am Hintern, so \u00e4hnlich wie sie heute von\nBurlesquek\u00fcnstlerinnen getragen werden. Ich fand das todschick. Und\nes war wichtig, dass die R\u00fcschen unter dem Kleidchen hervorguckten,\ndaran kann ich mich noch genau erinnern. Mein Faible f\u00fcr exquisite\nUnterw\u00e4sche zog sich auch durch meine sp\u00e4tere Kindheit, lange bevor\nes etwas mit Sex zu tun bekam. Wehe wenn die Garnitur nicht\neinheitlich war! Wenn das Unterhemd nicht zum Schl\u00fcpfer passte,\nmachte ich morgens ein Heidentheater. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Ich muss 12 oder 13 gewesen sein, als\nich die alten Nylonstr\u00fcmpfe meiner Mutter in die H\u00e4nde bekam und\nsofort von ihnen begeistert war. Was willst du denn mit den ollen\nDingern?, sch\u00fcttelte sie den Kopf. Tats\u00e4chlich hatte ich keine\nStrumpfhalter f\u00fcr \u201edie ollen Dinger\u201c, denn die alten\nfleischfarbenen Miederg\u00fcrtel meiner Mutter waren mir zu gro\u00df und\nsowieso zu monstr\u00f6s. Als ein paar Jahre sp\u00e4ter die Mauer fiel, fuhr\nich am n\u00e4chsten Tag nach Berlin und gab mein Begr\u00fc\u00dfungsgeld f\u00fcr\nStrapse im KaDeWe aus. Meine Mutter sa\u00df in ihrem Sessel am Fenster\nund lachte herzlich, als ich ihr stolz meine Eink\u00e4ufe vorf\u00fchrte.  \n<\/p>\n\n\n\n<p>Ich f\u00fchlte mich wahnsinnig sexy darin,\neine richtige Femme Fatale. Mein damaliger Freund konnte damit gar\nnicht so richtig was anfangen. In sp\u00e4teren Jahren meinte ich, mir\ndie teure W\u00e4sche f\u00fcr die sexuellen Begegnungen mit M\u00e4nnern\nzuzulegen. Die meisten M\u00e4nner fanden das auch sehr hei\u00df, viele\nhatten noch nie vorher eine echte Frau in Strapsen gesehen, ihr\nStaunen und ihre Bewunderung machten mir gro\u00dfen Spa\u00df, aber die\nM\u00e4nner h\u00e4tten auch ohne Dessous ihr Vergn\u00fcgen mit mir gehabt.\n(Manche M\u00e4nner standen auch explizit gar nicht auf W\u00e4sche, was mich\nzun\u00e4chst verwunderte, aber solange Nacktheit das Problem l\u00f6ste, war\nich zufrieden.)  \n<\/p>\n\n\n\n<p>Zwei Erkenntnisse kamen mir im Laufe\nder Zeit. Erstens wurde mir bewusst, dass ich die schicke W\u00e4sche\nmehr f\u00fcr mich als f\u00fcr irgendeinen Mann kaufte. Ich selbst genoss\ndiese Inszenierung n\u00e4mlich am meisten. Zu wissen, dass ich unter\nmeiner sichtbaren Kleidung umwerfend aufreizende W\u00e4sche trage,\nbeschert mir mit verl\u00e4sslicher Sicherheit ein erregendes\nGrundkribbeln. Und die besondere Vorfreude auf das Ausziehen geh\u00f6rt\nganz mir, denn mein Gegen\u00fcber wei\u00df noch gar nicht was ihn erwartet.<\/p>\n\n\n\n<p>Und zweitens dachte ich lange, Dessous\nw\u00fcrden ihre Wirkung mit der Zeit abnutzen und es m\u00fcssten immer neue\nsein, damit es \u00fcberraschend bleibe. Doch dabei hatte ich nicht mit\nder Verg\u00e4nglichkeit m\u00e4nnlicher Erinnerung gerechnet. Ich habe eine\nMenge sch\u00f6ner W\u00e4sche, aber auch meine Auswahl ist endlich, und so\nwiederholen sich meine Outfits hin und wieder. Ein paar Monate\nTragepause reichen, um meinen Mann ausrufen zu lassen: Oh, du hast\nneue W\u00e4sche! \n<\/p>\n\n\n\n<p>Er kann meine Dessous durchaus\ngoutieren, aber seinetwegen k\u00f6nnte ich auch die ganze Zeit nackt\nsein. Ihn macht vor allem an, dass ich mir gefalle. Und mich macht\nan, dass ihn das anmacht. Und ihn wiederum macht an \u2026 na ja,\njedenfalls haben wir beide was davon.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schon als Dreij\u00e4hrige trug ich sehr gern kurze Kleidchen und darunter pastellfarbene Nylonh\u00f6schen mit Reihen wei\u00dfer R\u00fcschen am Hintern, so \u00e4hnlich wie sie heute von Burlesquek\u00fcnstlerinnen getragen werden. Ich fand das todschick. Und es war wichtig, dass die R\u00fcschen unter dem Kleidchen hervorguckten, daran kann ich mich noch genau erinnern. 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