{"id":253,"date":"2026-03-07T11:18:35","date_gmt":"2026-03-07T11:18:35","guid":{"rendered":"https:\/\/utegliwa.de\/?p=253"},"modified":"2026-07-07T11:19:13","modified_gmt":"2026-07-07T11:19:13","slug":"tempel-der-sinne","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/utegliwa.de\/index.php\/2026\/03\/07\/tempel-der-sinne\/","title":{"rendered":"Tempel der Sinne"},"content":{"rendered":"\n<p><br><br><br>Damit unsere harmonische Liebesbeziehung trotz aller Gem\u00fctlichkeit aufregend bleibt, gehen mein Mann und ich ab und zu auf die Suche nach neuer Inspiration f\u00fcr unser Liebesleben. Letztes Jahr haben wir uns deshalb bei einer Tempelnacht bei Jarla und Maximilian Wolf angemeldet, lange im Voraus, denn die Veranstaltungen sind begehrt. Wie es bei so einem Tempel zugeht, wussten wir zu dem Zeitpunkt selbst noch nicht so genau.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"576\" src=\"https:\/\/utegliwa.de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/K1600_7-ohne-Text-1024x576.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-243\" srcset=\"https:\/\/utegliwa.de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/K1600_7-ohne-Text-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/utegliwa.de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/K1600_7-ohne-Text-300x169.jpg 300w, https:\/\/utegliwa.de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/K1600_7-ohne-Text-768x432.jpg 768w, https:\/\/utegliwa.de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/K1600_7-ohne-Text-1536x864.jpg 1536w, https:\/\/utegliwa.de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/K1600_7-ohne-Text-2048x1152.jpg 2048w, https:\/\/utegliwa.de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/K1600_7-ohne-Text-1200x675.jpg 1200w, https:\/\/utegliwa.de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/K1600_7-ohne-Text-1800x1013.jpg 1800w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Berlin Kreuzberg, zweiter Hinterhof, oberste Etage. Es ist Zeit f\u00fcr unser neues Beziehungsabenteuer. Jarla und Max schreiben in ihrer Einf\u00fchrung zu den Tempeln\u00e4chten sinngem\u00e4\u00df, dass es Veranstaltungen in einem gesch\u00fctzten und wertsch\u00e4tzenden Rahmen sein sollen, in dem jede Person sich selbst und seine Mitmenschen mit allen Sinnen erleben und neu entdecken, die eigenen Grenzen sp\u00fcren und spielerisch vielleicht sogar ein wenig erweitern kann. Wie sexuell diese sinnlichen Momente und Erfahrungen am Ende tats\u00e4chlich werden, liegt bei jedem einzelnen selbst. Wir sind gespannt.<\/p>\n\n\n\n<p>Mein Mann und ich sind schon relativ sp\u00e4t dran, wir haben auf dem Weg erst noch Powerb\u00e4llchen f\u00fcrs Buffet der Tempelnacht besorgt. Im Umkleideraum liegen schon \u00fcberall H\u00e4ufchen mit Rucks\u00e4cken und Klamotten und fast alle F\u00e4cher sind schon belegt. Erst hier vor Ort entscheide ich mich f\u00fcr das Outfits des Abends, derer ich mehrere in der Tasche habe. Es scheint, dass alle hier eher bequeme Hippie-Klamotten tragen, keiner ist a la KitKat Club aufgebrezelt. Es wird also ein figurumschmeichelndes aber gem\u00fctliches kurzes Wickelkleid. Mein Mann tr\u00e4gt nur einen Sarong um die H\u00fcften. Wir stellen unsere Powerb\u00e4llchen auf das Buffet im Vorraum und gesellen uns zu allen anderen in den gro\u00dfen Hauptraum, in dem Matten zu verschiedenen Inseln gruppiert sind. In der Mitte des Raumes liegen auf T\u00fcchern die Utensilien, die w\u00e4hrend des Abends benutzt werden k\u00f6nnen. Zum Streicheln gibt es Federn, zum Massieren \u00d6l, f\u00fcr h\u00e4rtere Z\u00e4rtlichkeiten Nadelr\u00e4der und Schlagwerkzeuge. Es gibt Augenbinden, Fesseln, Kondome und jede Menge Sexspielzeuge aller Art.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu Beginn laden die Veranstalter Jarla und Maximilian Wolf, ein attraktives Paar in ihren Drei\u00dfigern, alle Teilnehmenden ein, sich in einen gro\u00dfen Kreis zu setzen. Es sind in etwa 40 Personen, altersm\u00e4\u00dfig ist von Anfang Zwanzig bis Ende F\u00fcnfzig alles dabei. Wir sind erleichtert, dass wir nicht die einzigen graumelierten Menschen im Raum sind. Auch gendertechnisch scheint die Gruppe gut gemischt. Ich stelle au\u00dferdem fest, dass entgegen meiner Erwartung, dass haupts\u00e4chlich Paare hier sein w\u00fcrden, die meisten ohne Partner gekommen sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Jarla und Maximilian verk\u00fcnden zun\u00e4chst den Ablauf der Veranstaltung, die insgesamt etwa f\u00fcnf Stunden dauern soll. Es soll mehrere \u00dcbungsrunden mit dazwischenliegender Pause geben und anschlie\u00dfend einen freien Spielteil. \u00dcber zwei der Matteninseln h\u00e4ngen wie ein Dach T\u00fccher, das werden nachher beim freien Spiel die Zonen f\u00fcr Privatsph\u00e4re sein. Wer sich dorthin begibt, signalisiert, dass er mit seinem Partner oder seiner Gruppe ungest\u00f6rt bleiben m\u00f6chte. Auf der gro\u00dfen zentralen Matteninsel dagegen kann auf freundliche Anfrage hin miteinander interagiert werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Alle \u00dcbungen sind lediglich als Einladung zu verstehen, betonen die beiden immer wieder. Niemand soll irgendetwas tun, womit sie oder er sich nicht wohlf\u00fchlt. Jeder kann jederzeit aussteigen oder pausieren, sich an die Seite setzen oder drau\u00dfen etwas essen oder trinken. Im freien Spielteil am Ende ist alles erlaubt, was zwischen den Spielenden im Einverst\u00e4ndnis passiert. Auch penetrativer Sex ist erlaubt, auch wenn der Fokus nicht darauf liegen soll, sondern eher allgemein auf dem sinnlichen Erleben aller Arten von Ber\u00fchrungen und Eindr\u00fccken.<\/p>\n\n\n\n<p>Die erste \u00dcbung besteht einfach nur darin, sich durch den Raum zu bewegen und einander unbefangen zu begegnen. Alle mustern einander zun\u00e4chst vorsichtig, viele l\u00e4cheln aber von Beginn an offen. Ich treffe auf niemanden, der mir unangenehm erscheint. Auch mein Mann ist sehr vom Publikum angetan. Es sind alles authentisch wirkende Menschen, keine Poser, keine Machos, keine Creeps. Im Hintergrund l\u00e4uft unaufdringliche Musik und Jarla und Maximilian begleiten das Geschehen aufmerksam und geben Aufmunterung und Anregungen f\u00fcr die Begegnungen in der Gruppe. Der gro\u00dfe Eisbrecher ist aber erst die n\u00e4chste \u00dcbung, bei der wir uns zu zuf\u00e4lligen Vierergruppen zusammentun, um miteinander zu tanzen. Immer eine Person steht in der Mitte und l\u00e4sst sich von den anderen dreien bewundern und huldigen. Diese \u00dcbung w\u00e4hrt vier Songs lang, damit jeder einmal dran ist. In meiner Gruppe k\u00f6nnen alle wunderbar loslassen und wir werden immer alberner und ungez\u00fcgelter. Am Ende ist der Raum gef\u00fcllt mit schwerem Atem und erleichtertem Lachen. Ganz langsam werden die \u00dcbungen intimer. In Dreiergruppen geht es zum Beispiel um Ber\u00fchrung, immer eine Person, die bestimmen darf, wo und wie ber\u00fchrt wird, kommt in den Genuss vierer H\u00e4nde. Da ich gern nackt bin, ziehe ich mich aus und lege mich mit geschlossenen Augen b\u00e4uchlings auf die Matte. Eine Frau kniet links von mir, ein Mann zu meiner Rechten und ich genie\u00dfe das Streicheln auf meiner K\u00f6rperr\u00fcckseite. Als pl\u00f6tzlich etwas Kaltes meine Lippen ber\u00fchrt, erschrecke ich leicht. Es sind gefrorene Obstst\u00fccke, die mir an den Mund gereicht werden. Ich lecke und sauge den auftauenden Saft von dem kleinen Holzspie\u00dfchen. Meine Spielpartnerin fragt, ob sie mit dem Eis meinen Po streicheln darf, aber ich verneine, das sei mir zu kalt. Auch verbale \u00dcbungen gibt es, zum Beispiel die, in der es darum geht, die eigenen Grenzen zu kommunizieren und seinen Spielpartner zu bitten, sich diesen achtsam zu n\u00e4hern.<\/p>\n\n\n\n<p>Im zweiten Teil der Tempelnacht geht es darum, alle Sinne geballt zu aktivieren. Dazu sollen wir uns einen neuen Partner suchen. Mir gegen\u00fcber sitzt ein junger Mann mit sch\u00f6nen hellen Augen, der mir schon in der Begr\u00fc\u00dfungsrunde aufgefallen war. Zun\u00e4chst sehen wir einander an. Wir sollen uns auf einzelne Teile des Gesichts fokussieren und uns diese einpr\u00e4gen, als sollten wir sie sp\u00e4ter aus dem Ged\u00e4chtnis malen. Danach sollen wir die Augen schlie\u00dfen und uns auf den Geruchssinn konzentrieren. Jarla und Maximilian schlagen vor, unsere Gesichter ganz langsam aufeinander zuzubewegen und genau zu bemerken, ab wann wir den Geruch des anderen wahrnehmen und ihn dann einfach aufzunehmen. Wir schnuppern einander an den H\u00e4nden, am Hals, an den Haaren. Anschlie\u00dfend, die Gesichter dicht beieinander, den Mund nahe dem Ohr unseres Gegen\u00fcber, sollen wir kleine Ger\u00e4usche von uns geben, Seufzer, Schmatzer, Schnurren, Quietschen, alles, was uns einf\u00e4llt. Aus allen Richtungen ist gel\u00f6stes Gekicher zu h\u00f6ren. Die Albernheit scheint zu verbinden. Jarla und Maximilian laden alle, die dazu bereit sind, dazu ein, als letztes noch den Geschmackssinn in die Begegnung zu integrieren. Ich hatte zum Beginn des Abends eigentlich nicht vorgehabt, einen fremden Menschen zu k\u00fcssen, denn einen Kuss empfinde ich als extrem intim, aber mit meinem sehr sympathischen Gegen\u00fcber, der mich die ganze Zeit anstrahlt, will ich es jetzt doch versuchen. Wir lecken an unseren Unterarmen, k\u00fcssen vorsichtig die Ohren und tasten uns unter Jarlas sanfter Anleitung mit unseren Lippen langsam an den Mund des anderen heran. Der abschlie\u00dfende Kuss f\u00fchlt sich an, als w\u00fcrden wir uns schon lange kennen.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die letzte \u00dcbung, die direkt ins freie Spiel \u00fcbergehen kann, treffe ich wieder mit meinem Mann zusammen. Ich hatte im Vorfeld darum gebeten, dass wir an dem Abend keinen Sex mit anderen haben w\u00fcrden. Mein Mann w\u00fcrde sehr gern mal mit einem anderen Paar Sex haben, aber ich tue mich damit schwer. Ich habe als junge Frau sehr viel Sex mit vielen M\u00e4nnern gehabt, aber das Bed\u00fcrfnis nach fremder Haut habe ich in den letzten Jahren verloren und auf Frauen \u2013 auch das habe ich ausprobiert &#8211; habe ich sowieso noch nie so richtig gestanden. Ich bin eigentlich auch ganz froh, dass meine Libido, die mich oft in Schwierigkeiten gebracht hat, nicht mehr so \u00fcbergriffig ist. Meinem Mann habe ich trotzdem schon vor l\u00e4ngerer Zeit versprochen, dass wir seinen Wunsch irgendwann einmal umsetzen, aber nicht heute.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcberall finden sich Gr\u00fcppchen und Paare zusammen. Die kleinen \u00fcberdachten Inseln sind schnell belegt. Wir legen uns auf die zentrale Matteninsel, auf der noch viel Platz ist. Wir sind eingeladen, uns Utensilien aus der Mitte zu nehmen und alles auszuprobieren, was wir m\u00f6chten. Wir testen Nadelr\u00e4der und Stachelb\u00e4lle auf diversen K\u00f6rperstellen und merken unisono, dass wir beide f\u00fcr sanft kitzelnde Stau\u00dfenfedern am empf\u00e4nglichsten sind. In vielen anderen Gr\u00fcppchen werden Schlagwerkzeuge ausprobiert, \u00fcberall h\u00f6rt man das Klatschen von Leder auf Haut und St\u00f6hnen und Gel\u00e4chter. Nach einiger Zeit gesellt sich nach h\u00f6flicher Anfrage ein anderer Mann zu uns. Zu dritt streicheln wir einander, was sehr sch\u00f6n ist, aber zu mehr f\u00fchle ich mich nicht hingerissen. Rechts und links neben uns wird inzwischen erstaunlich zielorientiert gev\u00f6gelt, was mich \u00fcberrascht, da der Fokus ja eher auf achtsamen Ber\u00fchrungen liegen soll, wie Jarla und Max im Laufe des Abends immer wieder betont haben. Mein Mann und ich fingern und knutschen, aber das Klatschen und St\u00f6hnen zu allen Seiten lenkt mich eher ab als dass es meine Erregung bereichert. Schr\u00e4g gegen\u00fcber sehe ich eine Dreiergruppe aus den Augenwinkeln. Ein Paar in unserem Alter hat sich eine zweite Frau in ihre Mitte geholt und spielt mit ihr. Er liegt zwischen ihren Schenkeln und streichelt und k\u00fcsst ihre Vulva, was sehr lustvoll aussieht und sich auch so anh\u00f6rt. Trotzdem bringt mich die Reiz\u00fcberflutung aus meiner eigenen Lust raus und mein Mann und geben ich unser Liebesspiel irgendwann auf.<\/p>\n\n\n\n<p>Stattdessen machen wir uns mit anderen Aussteigern im Vorraum \u00fcber die Reste des Buffets her. Eine halbe Stunde loungen wir auf dem Sofa dort und quatschen, denn Jarla und Max haben darum gebeten, m\u00f6glichst bis zum Schluss zu bleiben und an der Schlussrunde teilzunehmen. Die beiden bitten alle noch Spielenden darum, allm\u00e4hlich zum Ende zu kommen und sich wieder in einem gro\u00dfen Kreis zusammenzufinden. Aus allen Ecken des Raumes kriechen Teilnehmer hervor und setzen sich in die Runde, die nun deutlich entspannter und gel\u00f6ster als am Anfang ausf\u00e4llt. Es sind tats\u00e4chlich noch alle da. Und so wie alle strahlen, hatten offenbar alle einen guten Abend.<\/p>\n\n\n\n<p>Wieder angezogen auf der Stra\u00dfe kehren wir in einen Imbiss ein, der direkt nebenan liegt. Neben uns am Tisch steht zuf\u00e4llig das Paar aus der Dreiergruppe von schr\u00e4g gegen\u00fcber. In Schal und M\u00fctze h\u00e4tten wir einander fast nicht erkannt. \u201eAch ihr seid es\u201c, spricht er uns an, \u201emit euch h\u00e4tten wir auch gern gespielt.\u201c Im Gespr\u00e4ch sind sie mir sehr sympathisch, stelle ich fest. Hinterher denke ich, ja, wenn die Veranstaltung jetzt noch weitergehen w\u00fcrde, w\u00fcrde ich mich auch auf die beiden einlassen k\u00f6nnen. F\u00fcnf Stunden scheinen eine lange Zeit, aber f\u00fcr mich eben nicht lange genug, um von Null auf Hundert zu beschleunigen. Mit Wildfremden in die Kiste zu gehen, reizt mich eben \u00fcberhaupt nicht mehr.<\/p>\n\n\n\n<p>Mein Mann und ich beschlie\u00dfen, irgendwann nochmal eine \u00e4hnlich geartete Veranstaltung zu besuchen, dann allerdings in einem gr\u00f6\u00dferen Rahmen \u00fcber mehrere Tage. Da kann ich mich dann wirklich gaaanz langsam an neue Menschen rantasten. F\u00fcr den Anfang war diese Tempelnacht aber gerade richtig. Jarlas und Maximilians einf\u00fchlsame und humorvolle Begleitung durch die Veranstaltung hat den Abend zu einer wirklich sch\u00f6nen Erfahrung werden lassen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Damit unsere harmonische Liebesbeziehung trotz aller Gem\u00fctlichkeit aufregend bleibt, gehen mein Mann und ich ab und zu auf die Suche nach neuer Inspiration f\u00fcr unser Liebesleben. Letztes Jahr haben wir uns deshalb bei einer Tempelnacht bei Jarla und Maximilian Wolf angemeldet, lange im Voraus, denn die Veranstaltungen sind begehrt. 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