{"id":57,"date":"2014-12-02T13:46:23","date_gmt":"2014-12-02T13:46:23","guid":{"rendered":"https:\/\/utegliwa.de\/?p=57"},"modified":"2020-04-29T17:10:38","modified_gmt":"2020-04-29T17:10:38","slug":"das-geschenk","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/utegliwa.de\/index.php\/2014\/12\/02\/das-geschenk\/","title":{"rendered":"Das Geschenk"},"content":{"rendered":"\n<p>\n \u201eHey,\nwie geht\u2019s denn deinem Anwalt?\u201c, fragte Meike am Montag in der\nMittagspause ganz unverfroren. \u201eWar ja anscheinend doch noch ganz\ninteressant gestern Abend.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\nObwohl\nsie keinerlei Grund zum Err\u00f6ten hatte, tat Berta es doch. Keine\nAhnung ob das Gespr\u00e4ch interessant gewesen war, dazu war sie schon\nzu betrunken gewesen, aber das gab sie nicht zu. Sie hatte ziemlich\nheftig geflirtet, schien ihr, wahrscheinlich hatten s\u00e4mtliche\nKollegen es bemerkt, jedenfalls die, die dem Champagner nicht so\nzugetan gewesen waren wie sie. Also vielleicht doch nicht sehr viele,\nbedachte sie dann.<\/p>\n\n\n\n<p>\n\u201eIch\nbin auch bald nach dir gegangen.\u201c, erwiderte Berta so gelassen wie\nm\u00f6glich, doch dann brauste sie auf, \u201eWieso eigentlich <em>mein<\/em>\nAnwalt? Und wieso sollte ich wissen, wie es ihm jetzt geht?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\nMeike\nzuckte mit den Schultern. \u201eH\u00e4tte ja sein k\u00f6nnen\u2026\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\nOb\nuns irgendwer zusammen hat gehen sehen, fragte Berta sich. \u201eEr hat\nmich nach Hause gefahren\u201c, gab sie also vorsichtshalber\nwahrheitsgetreu zu, \u201eich hab nicht nein gesagt, hab das Geld f\u00fcrs\nTaxi gespart. Danach hab ich ihn nicht mehr gesehen.\u201c Sie schob\nsich eine Gabel voll Salat in den Schnabel. \u201eCooles Auto hat er\u201c,\nf\u00fcgte sie kauend hinzu. Was redete sie blo\u00df f\u00fcr einen Mist. Seit\nwann fand sie Autos cool? \u201eSo\u2019n alter, eckiger Stra\u00dfenkreuzer\nwie in den B\u00fcchern von Djian. Mit schwarzen Ledersitzen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\n\u201eHuuuh,\nkinky\u2026\u201c, machte Meike ironisch.<\/p>\n\n\n\n<p>\nBeim\nAussteigen hatte er sie gefragt, ob er sie anrufen d\u00fcrfe, soviel\nerinnerte Berta sich noch. \u201eDu wei\u00dft wo ich arbeite\u201c, hatte sie\netwas ausweichend geantwortet, und eventuell hatte sie sich zu ihm\nhin\u00fcbergelehnt und ihm zum Abschied einen fl\u00fcchtigen Ku\u00df auf den\nMund gedr\u00fcckt, aber dessen war sie sich absolut nicht mehr sicher.\nOben in ihrer Wohnung konnte sie nicht einschlafen, da sich im Liegen\nalles unkoordiniert um sie drehte, bis sie sich endlich aufgerafft\nund ins Klo \u00fcbergeben hatte, in dem noch die am Abend aus der Dusche\ngefischten Haare schwammen.<\/p>\n\n\n\n<p>\n\u201eEin\nseltsamer Typ\u201c, erkl\u00e4rte Meike zwischen zwei Bissen, \u201ena ja,\nAnwalt eben.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\nMeikes\nFreund war Musiker, Rockmusiker, vom <em>non\nsuit type<\/em>.\nBerta gab ihr in Gedanken Recht und h\u00f6rte sich gleichzeitig\nbehaupten, dass er doch sehr nett gewesen sei. Sie fand es schon\netwas bedenklich, da\u00df sie allm\u00e4hlich das Alter erreichte, da gut\nsituierte M\u00e4nner ihr gefallen konnten, M\u00e4nner mit Armani oder Dries\nvan Noten Anz\u00fcgen auf den k\u00fcnstlich gebr\u00e4unten Leibern und teuren\nSchuhen an den pedik\u00fcrten F\u00fc\u00dfen. Noch vor ein paar Jahren w\u00e4re\nihr so was nie passiert, nie h\u00e4tte sie einen Mann ohne Zopf oder\nwenigstens wilde Locken, ohne Schlaghose oder Lederb\u00e4ndchen um Hals\noder Handgelenke auch eines noch so kurzen Blickes gew\u00fcrdigt.\nInzwischen konnte sie es sich sogar durchaus vorstellen, mit einem\nMann zusammen zu leben, der einmal im Monat zum Friseur ging. Um\nehrlich zu sein, gab sie selbst auch seit etwa einem Jahr alle paar\nMonate ein halbes Verm\u00f6gen f\u00fcrs Spitzenschneiden aus, anstatt das\nwie fr\u00fcher von einer Freundin in der K\u00fcche stehend erledigen zu\nlassen.<\/p>\n\n\n\n<p> Vielleicht lag es auch blo\u00df an der Tatsache, dass sie vor einigen Tagen erst <em>The Secretary<\/em> gesehen hatte, dass sie pl\u00f6tzlich ein Faible f\u00fcr solche Langweiler entfaltete.<\/p>\n\n\n\n<p>\nAm\nn\u00e4chsten Tag rief er Berta im B\u00fcro an. Es war ihr letzter\nArbeitstag vor den Betriebsweihnachtsferien. Sie h\u00e4tte seine Stimme\nnicht erkannt, wenn er ihr nicht auf die Spr\u00fcnge geholfen h\u00e4tte.<\/p>\n\n\n\n<p>\n\u201eIch\nw\u00fcrde dir gern ein Geschenk machen\u201c, sagte er nachdem sie diverse\nH\u00f6flichkeitsfloskeln umst\u00e4ndlich umschifft hatten.<\/p>\n\n\n\n<p>\nDas\nsanfte L\u00e4cheln auf Bertas Gesicht breitete sich zu einem enormen\nGrinsen aus, w\u00e4hrend eine pl\u00f6tzliche Eingebung sich langsam in\nihren Gedanken festigte. \u201eIch w\u00fcsste da was.\u201c, sagte sie mit\nihrer von Alkohol und Zigarettenrauch noch immer rauen Stimme. \n<\/p>\n\n\n\n<p>\n\u201eWas\nimmer du willst&#8230;\u201c, sagte der Anwalt mit einer Bereitwilligkeit,\ndie Berta \u00e4u\u00dferst leichtsinnig fand. Er wusste anscheinend noch\nnicht, zu welchen W\u00fcnschen sie imstande war. \n<\/p>\n\n\n\n<p>\nBerta\nholte tief Luft und sagte es ihm gleich direkt am Telefon.<\/p>\n\n\n\n<p>\nRalf\npfiff anerkennend durch die Z\u00e4hne. \u201eIch dachte zwar, dass du es\nmir bei einer Tasse Kaffee oder einem netten Essen erz\u00e4hlen\nk\u00f6nntest, aber gut\u2026\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\nBerta\nbi\u00df sich auf die Unterlippe. \u201eTut mir leid.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\n\u201eKein\nProblem.\u201c, beschwichtigte er sie. \u201eSowas nennt man die\nGelegenheit beim Schopfe packen. Gef\u00e4llt mir. Ich werde dr\u00fcber\nnachdenken\u201c, schlo\u00df er und bat um ihre e-mail Adresse.<\/p>\n\n\n\n<p>\nWenig\nsp\u00e4ter fragte er an, wo es denn das Wunderding g\u00e4be. Sie sagte es\nihm. Sie fuhr jeden Tag an dem Laden beim Alex vorbei, er lag auf\nihrem Weg zur Arbeit. Mindestens einmal im Monat ging sie hinein, um\nein Weilchen in dem Stuhl zu sitzen, der ein wahrhafter Traum war.\nVielleicht ging sie auch ein bisschen des Verk\u00e4ufers wegen dorthin.\nEs war ein sch\u00f6ner dunkler Lockenkopf, der sich bereitwillig von ihr\nanstrahlen lie\u00df. Inzwischen hatte er ihr schon \u00fcber hundert Euro\nvom Preis erlassen, aber mehr als diese zehn Prozent k\u00f6nne er ihr\nnicht gew\u00e4hren, bedauerte er. Hm, vielleicht wenn Berta ihn\nverf\u00fchrte? Sie hatte ihm spa\u00dfeshalber schon offeriert, mit ihrem\nLaptop zum Arbeiten in den Laden zu kommen, bis sie sich den Stuhl\nleisten konnte, das hatte er lachend gutgehei\u00dfen, aber getan hatte\nsie es nat\u00fcrlich nicht. So unverfroren war sie nun auch wieder\nnicht.<\/p>\n\n\n\n<p>\nNach\neiner Stunde schrieb der Anwalt zur\u00fcck. Er gratulierte Berta zu\nihrem guten Geschmack und fragte ob er sie vom B\u00fcro abholen d\u00fcrfe.\nDas konnte sie ihm wohl kaum abschlagen. Noch vor der verabredeten\nZeit ging sie auf die Stra\u00dfe, um ihn abzufangen und zu vermeiden,\ndass man sie im B\u00fcro zusammen sah. Drau\u00dfen wirbelten ein paar\nSchneeflocken durch die vorweihnachtliche Dunkelheit. Berta trat bald\nvon einem Bein auf das andere, denn die Luftfeuchtigkeit drang ihr\nsofort ins Mark.<\/p>\n\n\n\n<p>\nRalf\nkam p\u00fcnktlich mit seinem olivgr\u00fcnen Road Movie Wagen vorgefahren\nund \u00f6ffnete ihr von innen die Beifahrert\u00fcr. Berta vermochte ihr\neuphorisches Strahlen nicht zu unterdr\u00fccken. Was f\u00fcr ein Gl\u00fcck,\nendlich diesen ersehnten Stuhl zu besitzen. Ihre Artikel w\u00fcrden\nfortan ganz von selbst ihrem Geiste, ihren Fingern entspringen, wenn\nsie in so einem Stuhl sitzen k\u00f6nnte. Doch sobald sie mit dem beinahe\nunbekannten Mann allein war, wurde sie pl\u00f6tzlich sehr wortkarg und\nblickte starr geradeaus auf die Stra\u00dfe als m\u00fcsse sie sich auf den\nVerkehr konzentrieren und nicht er. Was war nur in sie gefahren,\neinen derart dreisten Wunsch an einen wildfremden Typen zu richten?\nSie wusste nichts \u00fcber ihn au\u00dfer seinen Vornamen und seinen Beruf,\nund dass er offensichtlich nicht ganz arm war. Wor\u00fcber hatte sie mit\nihm auf der Party nur die ganze Zeit geredet? Wahrscheinlich hatte\nsie ihn die ganze Zeit \u00fcber zugetextet und ihn kaum zu Wort kommen\nlassen. Na ja, immerhin hatte sie ihn beim Einsteigen erkannt, das\nwar schon mal einiges wert, denn zwischendurch hatten sie Zweifel an\nihrer Erinnerung befallen. Er trug einen dunklen Anzug und ein\nwei\u00dfes, am Kragen offen stehendes Hemd. Er war gut rasiert und trug\neinen unspektakul\u00e4ren Kurzhaarschnitt. Berta sch\u00e4tzte ihn auf Mitte\ndrei\u00dfig, vielleicht ein paar Jahre \u00e4lter als sie selbst. Er wirkte\nschlank, aber vielleicht versteckte er auch einen kleinen Bauch unter\nseinen gut geschneiderten Klamotten, das konnte man nicht auf den\nersten Blick erkennen. Berta h\u00e4tte sich den Gentleman gern mal n\u00e4her\nbetrachtet, allein sie traute sich nicht, ihm in dieser gef\u00e4hrlichen\nIntimit\u00e4t rundweg ins Gesicht zu blicken. \n<\/p>\n\n\n\n<p>\n\u201eWo\nfahren wir hin?\u201c, wollte Berta von ihm wissen.<\/p>\n\n\n\n<p>\n\u201eZu\nmir.\u201c, erwiderte der Anwalt ganz selbstverst\u00e4ndlich.<\/p>\n\n\n\n<p>\nBerta\nsah ihn mit erstauntem, ja beinahe entsetztem Ausdruck an. Ihr war\nauf einmal unglaublich hei\u00df, aber das konnte auch an dem beheizten\nSitz liegen. \n<\/p>\n\n\n\n<p>\nRalf\ndeutete mit dem Daumen nach hinten. \u201eDen Stuhl hab ich schon im\nKofferraum.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\nDa\nlachte sie ihn unverbl\u00fcmt an. Er wohnte ganz in der N\u00e4he in einem\nliebevoll restaurierten Altbau. Auf der breiten Treppe lag ein dicker\nroter Teppich, und die dunkelgr\u00fcn gestrichenen Wohnungst\u00fcren waren\nim Jugendstil verziert und sicher drei Meter hoch. Ralf trug den noch\neingewickelten Stuhl in die oberste Etage und schlo\u00df seine Wohnung\nauf. Drinnen war alles makellos wei\u00df gestrichen, das Parkett war\nblank gebohnert. Hier hatte mit Sicherheit noch nie ein Dreirad seine\nKratzer auf dem Boden hinterlassen oder hatte eine kleine\nverschmierte Kinderhand einen Lichtschalter ber\u00fchrt. Die Wohnung\nwirkte wie ein luxuri\u00f6s m\u00f6bliertes Apartment, das gerade nicht\nvermiet war. Eine Wohnung wie aus einer Meister Proper Werbung.\nGr\u00f6\u00dfer als die, die Bertas Eltern fr\u00fcher mit drei kleinen Kindern\ngehabt hatte. Der Typ hatte wahrlich zu viel Geld. Wozu brauchte der\nf\u00fcr sich allein so eine Bude? Wahrscheinlich verbrachte er sowieso\nseine meiste Zeit im B\u00fcro, und den Rest im Fitness- oder im\nSonnenstudio. Berta gratulierte sich dazu, ihm Gelegenheit gegeben zu\nhaben, sein Geld einmal f\u00fcr einen guten Zweck ausgegeben zu haben.\nDer Anwalt stellte den Stuhl in die Mitte des riesigen Wohnzimmers\nund packte ihn aus.<\/p>\n\n\n\n<p>\n\u201eSo,\nwollen das Ding doch erstmal ausprobieren\u201c, sagte er bestimmt.<\/p>\n\n\n\n<p>\nSie\njauchzte wie ein Kind beim Anblick des eleganten italienischen\nDesigns. Nie wieder Ikea, schwor sie sich. Der Stuhl war mit\ngraumeliertem weichem Stoff bezogen, sein gl\u00e4nzend verchromter Fu\u00df\nwar r\u00e4derlos, das hatte sie so gewollt, das war stabiler und Bertas\nZimmer war ohnehin nicht so gro\u00df als dass sie darin w\u00fcrde\nherumfahren k\u00f6nnen. Bestimmt w\u00fcrde sie nie mehr zu Bett gehen\nwollen wenn der Stuhl erstmal in ihrer Wohnung st\u00fcnde. Ralf lie\u00df\nsich gen\u00fcsslich hinein sinken, w\u00e4hrend Berta vor Ungeduld bald\nverging. Sie wollte endlich auch einmal darin sitzen.<\/p>\n\n\n\n<p>\n\u201eEin\nherrliches Gef\u00fchl, in der Tat.\u201c, gab er zu. Dann schmunzelte er.\n\u201eIch glaube, ich werde ihn behalten\u2026\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\nBerta\nmachte gro\u00dfe Augen, doch im gleichen Moment begriff sie, dass er\nflunkerte.<\/p>\n\n\n\n<p>\n\u201e\u2026es\nsei denn\u2026\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\n\u201eJa?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\n\u201e\u2026du\nw\u00e4rst bereit dich nackt hineinzusetzen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\n\u201eJetzt?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\nEr\nnickte nachdr\u00fccklich.<\/p>\n\n\n\n<p>\n\u201eHier?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\nErneutes\nNicken.<\/p>\n\n\n\n<p>\n\u201eVor\ndeinen Augen?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\nRalf\nschlug ein Bein \u00fcber das andere. \u201eIch w\u00fcrde wohl kaum freiwillig\nhinausgehen wenn du es t\u00e4test.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\nBerta\nschluckte. \u201eWie lange?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\n\u201eBis\nich genug habe.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\nBerta\nverschr\u00e4nkte emp\u00f6rt ihre Arme vor der Brust und tappte unabl\u00e4\u00dfig\nmit dem Fu\u00df auf das Parkett. Tja, was hatte sie denn eigentlich\nerwartet.<\/p>\n\n\n\n<p>\n\u201eIn\nUnterw\u00e4sche.\u201c, feilschte sie nach kurzem Nachdenken. Zum Gl\u00fcck\ntrug sie an diesem Tag, im Gegensatz zu den meisten Tagen, an denen\nsie darauf verzichtete, ihre schmale B\u00fcste in einen BH zu zw\u00e4ngen,\nein komplettes Set Unterw\u00e4sche, ein ganz niedliches von La Perla,\ndas sie sich neulich als eigenes Vorweihnachtsgeschenk geleistet\nhatte. Der Anwalt dachte eine Weile nach, oder vielleicht kostete er\nnur ein wenig die Situation aus, ihre bezaubernde Emp\u00f6rtheit und\nseine tempor\u00e4re Macht \u00fcber sie. Schlie\u00dflich erhob er sich und bot\nihr mit einer einladenden Geste Platz auf dem hei\u00df begehrten Stuhl\nan. Berta schritt darauf zu und wandte sich dann zu ihm um.<\/p>\n\n\n\n<p>\n\u201eGeh\nwenigstens raus w\u00e4hrend ich mich ausziehe.\u201c, gebot sie ihm, und er\nverschwand.<\/p>\n\n\n\n<p>\n\u201eIch\ngeb dir f\u00fcnf Minuten.\u201c, rief er aus dem Flur.<\/p>\n\n\n\n<p>\nShit,\nworauf la\u00df ich mich da blo\u00df ein. Ich sollte die Beine in die Hand\nnehmen und verschwinden. Schei\u00df auf den bl\u00f6den Stuhl. Aber als sie\nsich resigniert hineinfallen lie\u00df, umfing der Stuhl sie mit seiner\nwohligen W\u00e4rme und mochte sie das Gef\u00fchl gar nicht mehr missen. Oh,\nendlich Abschied von ihrem alten Holzschemel nehmen, auf dem ihr der\nHintern immer wehtat, egal wie viele Kissen sie unterlegte. Und der\nR\u00fccken. Sie kam in das Alter in dem man auf so was achten musste.\nEhe sie es sich versah, steckte Ralf seinen Kopf pr\u00fcfend zur T\u00fcr\nhinein. \n<\/p>\n\n\n\n<p>\n\u201eKann\nich vorher wenigstens noch mal aufs Klo?\u201c verlangte Berta\ngriesgr\u00e4mig.<\/p>\n\n\n\n<p>\n\u201eHey,\nguck nicht so dramatisch. Du musst es nicht tun, wenn du nicht\nwillst. Ehrlich, ich behalt den Stuhl sehr gerne. Ich finde ihn ganz\nfabelhaft. Wir k\u00f6nnen auch einfach nur Teetrinken, und nachher fahr\nich dich nach Hause als w\u00e4re nichts geschehen\u2026 Ohne den Stuhl.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\nBerta\nfletschte die Z\u00e4hne als sie an ihm vorbei ins Bad schritt. Sie hatte\nauch ihren Stolz. Kurz darauf, nachdem sie kaum ein paar Tropfen in\ndas makellos geputzte Porzellan abgedr\u00fcckt hatte, wobei sie den\nDrang zu pissen hinterher immer noch versp\u00fcrte, kehrte sie fest\nentschlossen zur\u00fcck, die Sache jetzt durchzuziehen, l\u00e4cherlich oder\nnicht, und schickte ihren Erpresser vehement in den Flur zur\u00fcck.\nDann zog sie sich aus. Sie schmi\u00df ihre Klamotten w\u00fctend auf den\nBoden und setzte sich dann nur in H\u00f6schen und BH auf den Stuhl. Im\nVersuch sich zu entspannen, lehnte sie sich wohlig seufzend zur\u00fcck,\nlegte die Arme locker auf die flauschigen Lehnen und wiegte leicht\nhin und her. Eigentlich war es eher ein Sessel denn ein Stuhl, dachte\nBerta, der weiche Stoff war angenehm gegen ihre nackte Haut. Sie nahm\nsich vor, beim Schreiben des \u00d6fteren mal nackt darauf zu sitzen, das\nw\u00e4re eine ganz ungekannte Erfahrung, vielleicht g\u00e4be es ihren\nTexten eine extra Portion Pfiff. Berta rutschte etwas tiefer in die\nSitzschale hinein und lie\u00df ihre Arme hinter der R\u00fcckenlehne\nhinunterbaumeln. Sie bekam langsam kalte F\u00fc\u00dfe auf dem blanken\nBoden. \n<\/p>\n\n\n\n<p>\n\u201eKomm\nschon endlich.\u201c, beschwor sie den Anwalt leise murmelnd. \u201eIch\nkrieg kalte F\u00fc\u00dfe.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\nBerta\nsch\u00e4mte sich ihres K\u00f6rpers nicht, im Gegenteil, denn sonst h\u00e4tte\nsie sich wohl kaum auf den albernen Deal eingelassen, doch zog sie es\nvor, der T\u00fcr den R\u00fccken zu kehren und Ralf nicht gleich Aug in Auge\nbegegnen zu m\u00fcssen wenn er hereinkam. Sie legte nicht viel Wert\ndrauf, seinen Gesichtsausdruck zu sehen wenn er sie tats\u00e4chlich\nhalbnackt wieder fand. Oh Gott, was wenn er selbst nackt hereinkam,\nmir bedrohlich aufgerichtetem Schwanz? Worauf hatte sie sich hier\nblo\u00df eingelassen! \n<\/p>\n\n\n\n<p>\nZu\nihrer eigenen Beruhigung und Ablenkung betrachtete sie nun das\nbizarre streifige Bild, dass den Raum v\u00f6llig beherrschte, und das\nsie im Sommer im MOMA gesehen zu haben glaubte. Es schien eine\nReproduktion in Originalgr\u00f6\u00dfe zu sein. Eben wollte Berta ihre Knie\nan den K\u00f6rper heranziehen und ihre Beine mit den Armen w\u00e4rmend\numfassen, als sie hinter ihrem R\u00fccken ihre H\u00e4nde gefangen f\u00fchlte.\nSie erstarrte fassungslos.<\/p>\n\n\n\n<p>\n\u201eWas\ntust du?\u201c, stammelte sie.<\/p>\n\n\n\n<p>\nBl\u00f6de\nFrage. Jemand band ihr die Handgelenke mit einem weichen Tuch\nzusammen, daran gab es keinen Zweifel. \u201eKeine Angst, ich tu dir\nnichts.\u201c, hauchte Ralf ihr ins Ohr. \n<\/p>\n\n\n\n<p>\nDas\nf\u00fchlt sich aber ganz anders an, dachte Berta. Sie war nicht der Typ,\nder in hysterisches Kreischen verfiel, sondern eher in eine Art\nl\u00e4hmenden Schockzustand, in Trance wenn man so will. Das half bei\nSchlangen, Elefanten und anderen wilden Tieren. Sie wagte es gerade,\nihren Kopf nach ihrem Widersacher umzuwenden als auch ihr Blick\nverd\u00fcstert wurde. Ein dunkles Tuch legte sich ihr eng \u00fcber die\nAugen und um den Hinterkopf. Berta begann leicht zu zittern.<\/p>\n\n\n\n<p>\n\u201eSchsch\u201c,\nmachte der Anwalt und strich ihr mit dem Handr\u00fccken sanft \u00fcber den\nHals. \u201eIch tu dir nichts was dir missfallen k\u00f6nnte.\u201c,\nwiederholte er leise.<\/p>\n\n\n\n<p>\nDann\nentfernte er sich ein paar Schritte. Sie h\u00f6rte seine Abs\u00e4tze auf\ndem Parkett klacken und dann verstummen. Berta blieb wie angewurzelt\nsitzen, obwohl sie sich trotz ihrer gebundenen H\u00e4nde sicher einfach\naus dem Stuhl h\u00e4tte erheben k\u00f6nnen. Sie zitterte so sehr dass ihre\nBeine sie sicher nicht getragen h\u00e4tten. Ihre F\u00fc\u00dfe glichen\ninzwischen Eisklumpen, so dass sie sie nerv\u00f6s aneinander zu reiben\nbegann. Sie h\u00e4tte jedoch nicht sagen k\u00f6nnen, ob sie vor K\u00e4lte\nzitterte, vor Angst oder vor Anspannung. Berta versuchte logisch zu\ndenken. Er war Anwalt, ein vern\u00fcnftiger und gebildeter Mensch,\nsicher w\u00fcrde er ihr nichts antun, was er sp\u00e4ter zu bereuen h\u00e4tte.\nSie k\u00f6nnte ihn jederzeit anklagen, sobald sei hier raus sein w\u00fcrde.\nEs sei denn sie k\u00e4me niemals wieder hier raus, ging ihr durch den\nKopf. Unsinn, sah er vielleicht wie ein Vergewaltiger oder gar M\u00f6rder\naus? Andererseits wusste niemand wo sie war, niemand hatte sie zu ihm\nins Auto steigen und hier wieder aussteigen sehen. Berta versp\u00fcrte\nwieder den unb\u00e4ndigen Drang zum Wasserlassen, obwohl ihre Blase\nabsolut leer war. In ihrem Magen bildete sich ein z\u00e4her Klumpen.\nSelbst wenn er nicht l\u00fcgt, woher will er so genau wissen, was mir\ngef\u00e4llt und was nicht. \n<\/p>\n\n\n\n<p>\nSie\nwusste nicht, wie lange sie bereits dort sa\u00df, wahrscheinlich nicht\nmehr als ein paar Sekunden, doch die Stille, die Ungewissheit begann\nBerta ernstlich Angst einzujagen. Wenn er doch etwas sagen, etwas tun\nw\u00fcrde. Alles w\u00e4re ertr\u00e4gliches als dieses blinde Warten, sagte sie\nsich.<\/p>\n\n\n\n<p>\n\u201eIch\nhabe kalte F\u00fc\u00dfe\u201c, hub sie unsicher an, nur um etwas zu sagen.<\/p>\n\n\n\n<p>\n\u201eOh,\ndas tut mir leid.\u201c, erwiderte er in seinem besten Konversationston.\nEr holte eine Decke, legte sie vor den Stuhl und kniete sich selbst\ndarauf. Dann hob er ihren linken Fu\u00df in seinen warmen Scho\u00df, und\nunter ihrer nackten Fu\u00dfsohle sp\u00fcrte sie durch den weichen Stoff\nseiner Hose deutlich seine Erektion. Den anderen Fu\u00df ergriff er und\nf\u00fchrte ihn an den Mund. Jesus Christ, flehte sie lautlos, wenn das\nman gut geht. Er hauchte das eisige Fleisch mit seinem hei\u00dfen Atem\nan, dr\u00fcckte seine Lippen auf die frierende Haut, schob schlie\u00dflich\nseine gierige Zunge zwischen ihre kalten Zehen und umspielte sie\ngen\u00fc\u00dflich. Berta entfuhr ein winziges, kaum h\u00f6rbares \u00c4chzen. Dann\nwidmete er sich ihrem zweiten Fu\u00df. Mit der Zeit wanderte sein Mund\nlangsam, doch scheinbar unaufhaltsam an ihren Beinen empor. Die Zunge\numkreiste erst Kn\u00f6chel, dann Knie und pirschte sich auf ihren\nOberschenkeln an Bertas Mitte heran. Ralf schob behutsam ihre Knie\nauseinander, und Berta rutschte unauff\u00e4llig ein winziges St\u00fcckchen\ntiefer in ihrem Sitz. Sie war mittlerweile dankbar ob ihrer\nBlindheit, die sie zwang nichts von alldem zu sehen und \u00fcber die\nStricke, die sie zwangen, sich widerstandslos der Ber\u00fchrung\nhinzugeben. Sie h\u00e4tte sich ma\u00dflos gesch\u00e4mt, etwas derartiges von\neinem Fremden freiwillig \u00fcber sich ergehen zu lassen, doch nun, da\nihr nichts anderes \u00fcbrig blieb als still und willenlos dazusitzen,\nvermochte sie die Verf\u00fchrung ohne Err\u00f6ten zu genie\u00dfen. Immerhin\ntraf sie keine Schuld. Hatte sie denn eine Wahl?<\/p>\n\n\n\n<p>\nRalfs\nH\u00e4nde griffen woll\u00fcstig nach dem Fleisch der Innenseiten ihrer\nSchenkel, dann schoben ein paar freche Finger unversehens ihren Slip\nzur Seite. Berta hielt den Atem an und spannte s\u00e4mtliche Muskeln\nihres K\u00f6rpers aufs \u00c4u\u00dferste. Als sein Mund sich endlich auf ihr\nzuckendes Geschlecht senkte, entfuhr ihr die Luft mit einem spitzen\nSchrei aus der Lunge und l\u00f6ste ihre Starre. \n<\/p>\n\n\n\n<p>\nBevor\nBerta noch recht wieder zu sich gekommen war, sp\u00fcrte sie schon wie\nihre Fesseln gelockert und abgestreift wurden. Was denn, jetzt schon?\nRalfs Abs\u00e4tze verlie\u00dfen den Raum. Dabei hatte es doch gerade erst\nangefangen Spa\u00df zu machen.  Berta hob m\u00fchsam ihre kribbelnden Arme\nnach vorn, rollte die steifen Schultern und bewegte die Finger, die\nihr einzuschlafen begannen. Dann streifte sie das Tuch von ihren\nAugen und richtete sich auf dem Stuhl auf, von dem ihr Hintern fast\nhinuntergerutscht war. Es gelang ihr kaum, ihre Beine zu schlie\u00dfen\nund aufzustehen, so dick geschwollen war sie. Von Ralf keine Spur,\nund \u00fcber Bertas Gesicht huschte ein s\u00fcffisantes L\u00e4cheln.\nWahrscheinlich hatte er im Bad dringend was zu erledigen. In der Tat\nkam er erst wieder zur\u00fcck als Berta ihre vielen Wintersachen vom\nBoden aufgelesen und wieder angezogen hatte. Er betrat sch\u00fcchtern\nund gesenkten Blickes das Zimmer und suchte nach den passenden\nWorten. Anscheinend passierte ihm so was nicht allzu oft. \n<\/p>\n\n\n\n<p>\nBerta\nkam ihm zu Hilfe. \u201eIch mu\u00df jetzt los, ich habe heute Abend noch zu\ntun. Du wei\u00dft ja, Weihnachten steht vor der T\u00fcr.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\nEr\nnickte. \u201eIch fahr dich nach Hause.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\n\u201eIch\nhab mein Rad noch in der Firma stehen, das mu\u00df ich \u00fcber die\nFeiertage mitnehmen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\n\u201eUnd\u2026?\u201c\nEr blickte ein wenig verwirrt auf den leeren Stuhl, Anla\u00df und Ort\nihrer s\u00fcndigen Begegnung.<\/p>\n\n\n\n<p> Berta unternahm keine gro\u00dfe Anstrengung, ihr hemmungsloses Grinsen zu unterdr\u00fccken. \u201eIch finde er steht hier ganz gut. Ich w\u00fcrde morgen gern noch mal kommen, wenn es dir nichts ausmacht\u2026\u201c<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-link\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\nhttps:\/\/separee.myshopify.com\/collections\/e-paper\/products\/komm-sechs-erotische-geschichten\n<\/div><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eWas immer du willst&#8230;\u201c, sagte der Anwalt mit einer Bereitwilligkeit, die Berta \u00e4u\u00dferst leichtsinnig fand. 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