{"id":74,"date":"2015-06-02T18:21:03","date_gmt":"2015-06-02T18:21:03","guid":{"rendered":"https:\/\/utegliwa.de\/?p=74"},"modified":"2020-04-30T12:16:17","modified_gmt":"2020-04-30T12:16:17","slug":"die-neue-sexuelle-revolution","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/utegliwa.de\/index.php\/2015\/06\/02\/die-neue-sexuelle-revolution\/","title":{"rendered":"Die neue sexuelle Revolution"},"content":{"rendered":"\n<p>Petra Joy, seit 2004 alternative und unabh\u00e4ngige Porno-Filmemacherin, \u00fcber masturbierende M\u00e4nner, sexuelle Erziehung, Zensur und weibliche Orgasmen.  <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-medium\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"300\" height=\"296\" src=\"https:\/\/utegliwa.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/petra-joy-2-300x296.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-157\" srcset=\"https:\/\/utegliwa.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/petra-joy-2-300x296.jpg 300w, https:\/\/utegliwa.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/petra-joy-2.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Du bist eine der Vorreiterinnen\nweiblicher Porno-Regisseurinnen. Gab es vor dir schon Frauen, die\nsich in der Richtung versucht haben aber leider nicht bekannt\ngeworden sind?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Petra Joy: In den USA gab es seit den\nsp\u00e4ten 80ern Pornos-Regisseurinnen. In Deutschland gab es \u201enur\u201c\nFilmemacherinnen, die im Bereich Fetisch oder Lesbisch gearbeitet\nhaben, was aber die durchschnittliche Heterofrau nicht erreicht hat.\nDas hat wirklich erst Anfang der 2000er Jahre begonnen. 2004 habe ich\n\u201eSexual Sushi\u201c gemacht. In Deutschland war ich die erste, w\u00fcrde\nich sagen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Hattest du unter den amerikanischen\nRegisseurinnen Vorbilder oder hast du auf ganz eigene Art und Weise\nangefangen?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ich fand die Arbeit von Annie Sprinkle\nund Candida Royalle immer toll, bin auch heute noch mit ihnen\nbefreundet, aber was das Publikum und mich auch gest\u00f6rt hat, ist der\nLook der 80er gewesen. Gerade Candida Royalle ist es gelungen, den\nFokus auf weibliche Lust zu legen und auch mit Humor zu arbeiten,\naber es waren auch viele Dinge dabei, die ich nicht so sch\u00f6n fand,\ndie Pornostars mit den riesigen gefakten Br\u00fcsten und auch das\nStyling. Es ging gar nicht darum, etwas nachzumachen. Sexual Sushi\nwar einfach ein Experiment. Ich habe nie gesagt, ich gr\u00fcnde jetzt\neine Pornofirma, ich sage heute noch, es ist das tollste Hobby der\nWelt. Ich kam aus dem Fernsehbereich, war Dokufilmemacherin und hatte\n2004 angefangen, Erotikfotos f\u00fcr Frauen und Paare zu machen. Dabei\nkam immer wieder die Frage auf, was es denn in der Richtung an\nauthentischen, k\u00fcnstlerischen Filmen gibt, aber in konnte in der\nRichtung gar nichts empfehlen. Da fiel der Groschen und ich dachte,\nich hab hier meinen kleinen Camcorder und gehe oft auf Sexpartys und\nEvents und dachte, vielleicht drehe ich einfach mal was selber. Und\nso entstand Sexual Sushi mit einem befreundeten P\u00e4rchen \u00fcber\nmehrere Wochenenden weg in meiner Wohnung. Ganz klein, nur ich mit\neinem Camcorder, keine Crew, kein Make-up, kein Ton, kein Licht. Es\nhat uns total Spa\u00df gemacht, aber es hat dann ewig gedauert, ehe\ndieser Film in die Shops kam, weil ich mit einem kleinen Demoband auf\ndie Venus Messe ging und dort auf eine \u201eMauer\u201c aufgeschlagen bin,\nwo es hie\u00df: \u201eWas ist das denn? Sie beenden die Sexszene nicht mit\neinem Cumshot, sie haben keine Pornostars, da gibt es\nSilhouetten-Szenen? Es sieht ja ganz sch\u00f6n aus, aber vertreiben\nk\u00f6nnen wir das nicht. Das w\u00fcrde keiner kaufen.\u201c Die Leute haben\nes \u00fcberhaupt nicht verstanden. Aber allen Unkenrufen zum Trotz wurde\nSexual Sushi dann ja zum Erfolg. Als er es dann wirklich in die\nersten Shops schaffte, hat das Publikum entschieden und den Film\ngekauft und ich verkaufe den Film heute, elf Jahre sp\u00e4ter, immer\nnoch. Es war einfach so weit, dass das Publikum gesagt hat, es will\nmal etwas anderes, neues probieren, Sushi statt Hot Dog.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Du setzt, so wie S\u00e9par\u00e9e das mit\nWorten tut, deine eigenen und die Fantasien anderer Frauen filmisch\num. \u00c4ndern sich diese Fantasien im Laufe der Zeit stark oder\nvariiert nur die Umsetzung und die Kernideen bleiben immer gleich? <\/em>\n<\/p>\n\n\n\n<p>Es sind im Gro\u00dfteil die Fantasien der\nDarstellerinnen und Darsteller und auch viele Geschichten, die Frauen\nmir schreiben. Eine Frau schrieb zum Beispiel, dass sie keinen\nPartner hat und auch keinen m\u00f6chte, sich aber alle drei Monate einen\nm\u00e4nnlichen Escort g\u00f6nnt und sich nach Strich und Faden in einem\n5-Sterne-Hotel verw\u00f6hnen l\u00e4sst. Das war zum Beispiel Inspiration\nf\u00fcr eine Szene, die ich dann gedreht hab. Ich finde das unheimlich\nsch\u00f6n, Fantasien von anderen Frauen zu visualisieren. Oder eine\nFrau, die sich einen Dreier mit zwei M\u00e4nnern, die auch miteinander\nagieren, gew\u00fcnscht hat. Die Darstellerinnen sind extrem wichtig,\nweil es darum geht, authentische Lust zu zeigen. Ich w\u00fcrde nie\njemanden \u00fcber eine Agentur buchen und sagen ich brauch jetzt hier\ndas und das. Es ist eher so, dass Leute sich bei mir bewerben und ich\nMatchmaking mache und sage, die w\u00fcrden doch zusammen passen und das\nund das k\u00f6nnten wir doch mit denen drehen. Es ist immer\nma\u00dfgeschneidert auf die Leute, mit denen ich drehe. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Meine eigenen Fantasien \u00e4ndern sich\neigentlich nicht, ich sehe immer noch gern M\u00e4nnern beim Masturbieren\nzu. Die Kleinigkeiten, die bei jedem Mann anders sind. Das finde ich\nimmer noch hei\u00df, das drehe ich immer noch gern. Die Frau als\nMittelpunkt des Sexszenarios ist f\u00fcr mich auch wichtig. In meinen\nFilmen wird die Frau immer die Heldin sein. Ich m\u00f6chte bekommen, was\nich will und ich m\u00f6chte, dass die Frauen in meinen Filmen bekommen,\nwas sie wollen. Ich spiele gern mit Rollen, stelle gern Klischees auf\nden Kopf und ich glaube, dass das f\u00fcr das Publikum inspirierend ist,\neinfach mal umzudenken und zu sagen, ja, eigentlich ist das total\nhei\u00df, wenn mein Freund sich hochhackige Schuhe anzieht und durchs\nSchlafzimmer l\u00e4uft.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Was glaubst du, wie man dem Porno\nsein Schmuddelimage nehmen und als legitimes Genre vom Film und als\nTeil vom Liebesspiel f\u00fcr die breite Masse etablieren kann? <\/em>\n<\/p>\n\n\n\n<p>Ich glaube, ich trage jetzt schon seit\nelf Jahre meinen Teil dazu bei. Fr\u00fcher habe ich meine Filme\n\u201eArtcore\u201c genannt, dann kam irgendwann das Label der Presse\n\u201eFrauenporno\u201c, mit dem ich nicht so gl\u00fccklich bin, weil meine\nPornos nicht nur f\u00fcr Frauen sind. Sie sind aus weiblicher\nPerspektive, aber f\u00fcr alle Menschen, egal welches Geschlecht, Mann,\nFrau, Trans, was auch immer. Immer mehr Filmemacherinnen und\nFilmemacher drehen nicht mehr grell ausgeleuchtet und breit\ngespreizt, sondern behutsam mit einem sch\u00f6nen, verschwommenen\nHintergrund. Da gibt es jetzt viele Bem\u00fchungen und ich glaube, der\nCrossover ist schon passiert, das ist keine futuristische Vision\nmehr. F\u00fcr das Crossover \u2013 ist das jetzt Porno oder Kunst &#8211; gibt es\nschon ganz viele Beispiele, die ja auch weltweit auf vielen Festivals\ngefeiert werden, dass Filme optisch sch\u00f6n und dabei auch explizit\nsein k\u00f6nnen. Ich glaube, gesellschaftlich m\u00fcssen wir insgesamt noch\neinen Schritt weiter zur\u00fcckgehen, in unsere Kindheit und Erziehung.\nDa muss die Scham entfallen. Sexerziehung darf nicht nur Safer Sex\nund Verh\u00fctung sein, sondern dass die Kids lernen \u2013 und zwar nicht\nvom Porno, sondern zu Hause oder in der Schule, wie man die eigenen\nBed\u00fcrfnisse entdeckt, wie man sie ausdr\u00fcckt, Grenzen zieht, wie man\nsich selbst oder sich gegenseitig Lust verschafft. Das finde ich ganz\nwichtig. Sonst ist es so, dass die Kids einfach online Pornos gucken,\nund nicht die allerbesten und daraus ihre Sexerziehung bekommen. In\nD\u00e4nemark wurde gesagt, Pornos sollten in Schulen gezeigt werden, da\nmuss man nat\u00fcrlich vorsichtig sein, welche Pornos, aber\ngrunds\u00e4tzlich finde ich, wenn Teenager, die sowieso schon selbst Sex\nhaben, explizite Erotikfilme in einem gesch\u00fctzten Rahmen sehen,\nvielleicht nur M\u00e4dchen unter sich oder Jungs unter sich, dass dann\ndiskutiert und hinterfragt wird, ist das eigentlich erstrebenswert.\nDas w\u00fcrde das Ganze anfassbarer machen, glaube ich. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Die Industrie wird sich nie ver\u00e4ndern,\ndie Industrie hat zurecht ein Schmuddelimage, denn die spielt nicht\nimmer mit sauberen Karten. Porno hat einen schlechten Ruf bekommen,\nweil es nicht immer fair zugeht auf den Sets. Es gibt inzwischen\nviele unabh\u00e4ngige Porno-Filmemacherinnen und Filmemacher und wir\nz\u00e4hlen uns nicht zur Industrie. Was wir machen, ist kein\nNischenprodukt mehr. Es gibt inzwischen nicht mehr nur eine Art von\nPornografie, es gibt erfolgreiche Bestrebungen, die das Genre\nrevolutionieren und uminterpretieren. Ich glaube, dass das inzwischen\nauch im Mainstream ankommt.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Es hat von Au\u00dfen den Anschein, dass\nm\u00e4nnliche Regisseure sich gar nicht um den Ruf der Pornografie\nscheren. Bleibt es den Frauen \u00fcberlassen, das Genre\ngesellschaftsf\u00e4hig zu machen? <\/em>\n<\/p>\n\n\n\n<p>Meine Mission ist es nicht, den Ruf der\nPornografie zu retten. Meine Filme werden vom Zensor als Pornografie\neingestuft, die d\u00fcrfen nur in Sexshops verkauft werden und nirgendwo\nanders, w\u00e4hrend es Filme wie \u201e9 Songs\u201c oder \u201eNymphomaniac\u201c\nauch frei k\u00e4uflich auf Amazon gibt. Bin ich so gl\u00fccklich mit dem\nLabel Porno? Vielleicht nicht unbedingt, weil es eben viele negative\nKonnotationen hat, das merke ich immer wieder. Wenn ich hier als\nFirma ein Konto aufmachen will und ich ehrlich sage, ich bei eine\nErotikfilm-Produktion, kommt \u201eAha, Pornografie. Nee, das machen wir\nnicht.\u201c Paypal zum Beispiel hat eine Non-Adult-Policy. Ganz wenige\nBanken geben dir ein Gesch\u00e4ftskonto. Deswegen w\u00e4re ich eigentlich\ngl\u00fccklicher, ich k\u00f6nnte sagen, ich bin unabh\u00e4ngige Erotikfilmerin.\nIch mache provokante erotische Kunst, mit der ich ja meist auch gar\nkeinen Gewinn mache. Das ist was, das ich aus Lust und Liebe mache\nund auch nicht immer im Mainstream vermarktbar. Die Revolution im\nAdult-Bereich liegt schon in weiblicher Hand , aber es gibt durchaus\nauch m\u00e4nnliche Regisseure, die auch unabh\u00e4ngig arbeiten und\ninteressante Filme machen. Es gibt auch viele interessante schwule\nRegisseure mit der Thematik \u201eGender-Fuck\u201c, die es auch nicht\n\u00fcberall zu kaufen gibt.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Gibt es beim Thema Jugendschutz\ngro\u00dfe internationale Unterschiede? <\/em>\n<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist in Deutschland und UK am\nallerstriktesten. Holland und Spanien sind am freisten, Amerika\nsowieso. In Spanien k\u00f6nnte ich die Filme frei \u00fcber meinen\nOnlineshop verkaufen. Hier macht das jemand anders, der Gro\u00dfhandel\nvergibt dann auch die Altersverifizierung, die total viele Leute\nabschreckt. Wenn sich die DVD im Laden f\u00fcr 35 Euro verkauft, bekomme\nich 6 davon. In England ist es noch schlimmer als in Deutschland, in\nEngland musst du Altersverifizierung machen f\u00fcr online streaming und\nkannst die Filme nur in bestimmten Hardcore Sexshops verkaufen, und\ndas sind nicht die Shops, in die Frauen gehen. Den Launch von meinem\nStreaming Portal \u201eCinema Joy\u201c musste ich verschieben. England\nzensiert jetzt, was du online zeigen darfst. Nicht nur das es die\nAltersverifizierung gibt, du darfst dar\u00fcber hinaus hier zum Beispiel\nkein Squirting und kein Facesitting zeigen. In Deutschland ist es\nzumindest so: Im Porno anything goes. In England hast du Jugendschutz\nund die Inhalte werden auch noch f\u00fcr die Menschen \u00fcber 18 zensiert.\nEs ist okay wenn eine Frau drei Schw\u00e4nze im Mund hat aber nicht wenn\nsie auf seinem Gesicht sitzt.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Vollkommen abstrus. Mit anderen\nWorten: du lebst nicht aus beruflichen Gr\u00fcnden in England.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ich bin aus beruflichen Gr\u00fcnden\nhierhin gezogen, als ich f\u00fcrs Fernsehen gearbeitet habe. Ich war\nKorrespondentin und habe in England viele Filme gemacht. Mittlerweile\nist es in dieser Hinsicht eigentlich das schlimmste Land, in dem ich\nleben k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<p><em>W\u00fcrdest du aus dem Grund das Land\nwechseln?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ich bin schon einmal Immigrantin\ngewesen, ich habe Deutschland verlassen und hier ganz neu angefangen.\nIch bin damals mit 50 DM in der Tasche r\u00fcbergekommen, hab mir ein\nZimmer gemietet, mir alles aufgebaut. Es war schwierig, aber jetzt\nist es mein Zuhause und ich liebe unheimlich viele Sachen an England.\nEs hat mich kulturell extrem geformt, meine Kreativit\u00e4t, meine\nvisuelle Sprache, aber klar spiele ich mit dem Gedanken zu sagen: Ja\nklar, Skandinavien. Weil Skandinavien mir auch politisch sehr\nentspricht, es ist feministisch, sehr gr\u00fcn, aber es ist hart, mit 51\nJahren nochmal alles einzupacken und woanders ganz neu anzufangen,\neine neue Sprache zu lernen. Wenn England die EU verl\u00e4sst, ist es\nhier sowieso vorbei mit meinem Business, dann muss ich hier weg. \n<\/p>\n\n\n\n<p><em>Du hast dich damals f\u00fcr ein\nPseudonym, f\u00fcr einen K\u00fcnstlernamen entschieden. W\u00fcrdest du das\nheute immer noch machen?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ich hei\u00dfe jetzt so, alles nennen mich\nso, meine Freunde, meine Bekannten, auf meiner Kreditkarte steht\nPetra Joy, das ist meine Identit\u00e4t geworden. Es ging damals darum,\nmeine Familie zu sch\u00fctzen, ich hatte damals einen sehr\nau\u00dfergew\u00f6hnlichen, seltenen Namen. Meine Familie unterst\u00fctzt mich\nzwar in dem was ich tue, aber dennoch m\u00f6chte ich ihnen die Probleme\nmit dem Stigma Porno nicht aufladen. Ich habe mir die T\u00e4tigkeit frei\nausgew\u00e4hlt, aber meine Familie nicht. \n<\/p>\n\n\n\n<p><em>Wie haben deine Familie und dein\nFreundeskreis damals reagiert und wie ist das heute? <\/em>\n<\/p>\n\n\n\n<p>Meine Familie w\u00fcrde sich w\u00fcnschen,\ndass ich damit mal irgendwann etwas Geld verdiene oder etwas anderes\nmache, das Geld bringt. Sie haben mir mein Erbe fr\u00fchzeitig\nausbezahlt und das habe ich alles in die Sache reingebuttert und das\nist jetzt halt weg. Sie sehen sich meine Filme an und merken, wie\nsich mein Stil weiterentwickelt hat und finden es auch toll und\nunterst\u00fctzen das. Wenn es irgendwo Artikel \u00fcber mich gibt, kauf\nmein Papa die Zeitungen und schickt mir die, aber sie sagen auch:\nJetzt verdien mal etwas Geld. Aber sie sind toll gewesen, da hatte\nich gl\u00fccklicherweise nie mit zu k\u00e4mpfen. Die kennen mich, die\nwussten, wenn ich das drehe, dann ist das was Sch\u00f6nes, was\nBesonderes, was Kreatives. Wenn das ein sch\u00f6nes St\u00fcck Film ist, ist\nes denen egal, ob das eine Doku ist oder ob ich da Sex zeige. \n<\/p>\n\n\n\n<p><em>Hast du berufliche Situationen\nerlebt, in denen du dich als Frau benachteiligt gef\u00fchlt hast?<\/em> \n<\/p>\n\n\n\n<p>Ich hatte Gl\u00fcck, als ich f\u00fcrs\nFernsehen \u00fcber Sex gedreht habe, f\u00fcr \u201eLiebe S\u00fcnde\u201c zum\nBeispiel, wollten die den weiblichen Blick. Der alternative Zugang\nwar denen unheimlich wichtig. In der Pornoindustrie habe ich es oft\nerlebt. Du sitzt als einzige Frau in einem Vertriebsmeeting und es\nkommt eine Bedienung oben ohne rein. Und man klapst ihr auf den\nHintern und macht eine s\u00fcffisante Bemerkung und du denkst: Very\nprofessional. Jetzt f\u00fchl ich mich wohl. Und einmal, vor etwa vier\nJahren auf der Venus Messe in Berlin wollte ich Autogramme geben und\nder Moderator k\u00fcndigte mich als Pornostar an. Der konnte sich gar\nnicht vorstellen, dass es da eine Regisseurin gibt. Oder\nJournalistinnen oder Shopinhaberinnen.  Wenn du mit der Industrie zu\ntun hast, mit den Eink\u00e4ufern, dem Vertrieb und den Shops, da gibt es\nganz wenige Ausnahmen an angenehmen, netten Menschen. Grunds\u00e4tzlich\nist es oft sehr unangenehm.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Frauen k\u00f6nnen inzwischen in\nvielerlei Hinsicht gleichberechtigt mit den M\u00e4nnern agieren, sexuell\nwird aber immer noch zwischen Flittchen und ehrbarer Frau\nunterschieden. Ist das in deiner Wahrnehmung auch so?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ich fand die Geschichte mit Nicki\nMinaj, die sagte \u201eI demand orgasms every time I have sex\u201c\nk\u00fcrzlich sehr interessant. Das war ein riesiges Ding in den Medien,\nwas zeigt, dass man immer noch denkt, Sex ist eigentlich nur f\u00fcr\nM\u00e4nner da. M\u00e4nner haben garantiert immer einen Orgasmus und wenn\nder Mann einen Orgasmus hatte, dann ist es auch vorbei. Das ist das,\nwas Mainstream Porno uns auch immer wieder zeit: er spritzt ab,\nSchnitt, Ende der Szene. Sie ist dann stolz drauf, dass sie ihn zum\nKommen gebracht hat, aber dass sie vielleicht noch gar nicht gekommen\nist oder nochmal kommen will \u2013 er hat ja auch noch Finger und ne\nZunge und Spielzeug \u2013 das wird nicht gezeigt. Und da beeinflusst\nPorno leider auch die Wirklichkeit. Der weibliche Orgasmus ist da nur\ndie Sahne auf dem Kuchen, da hast du Gl\u00fcck, wenn du das ab und zu\nmal hast. Auch bei anderen Vorurteilen &#8211; M\u00e4nner wollen mehr und\n\u00f6fter Sex, k\u00f6nnen immer kommen und kommen immer \u2013 gibt es\nriesigen Nachholbedarf. Leider gibt es keine Pin-up Kultur f\u00fcr\nFrauen, aber endlich gibt es jetzt immer mehr visuelles Futter, das\nFrau sich beim Masturbieren oder beim Sex anschauen kann. Und es tut\nsich auch ganz viel im Spielzeugbereich, im Toy-Design. Es ist eine\nganz spannende Zeit. Wir erleben eine neue Welle der sexuellen\nRevolution und die ist in weiblicher Hand. Aber sie ist auch in\nTrans-Hand, denn ein ganz aktuelles Thema ist auch die ganze\nBewegung, die sagt, Geschlechtlichkeit ist nicht bin\u00e4r, sondern\nbesitzt ein Spektrum. Ich glaube, dass wir inmitten eines Umbruchs\nstecken, sexuell und gesellschaftlich, denn alles was im Schlafzimmer\npassiert, hat auch Einfluss auf den Rest des Lebens. Porno ist\npolitisch, das Private ist politisch, was im Schlafzimmer passiert,\nist politisch. Und das was im Schlafzimmer passiert, wird\nWechselwirkungen damit haben, wie wir uns definieren als Frauen,\nM\u00e4nner, Trans-Menschen. Daran k\u00f6nnen alle nur gewinnen, weil wir\nmehr Optionen bekommen, mehr Anteile von uns frei ausleben k\u00f6nnen.\nIch kann Leute nur dazu ermutigen: Lebt euch aus, experimentiert. Die\nPalette der M\u00f6glichkeiten ist unbegrenzt, es ist ein ganzer\nRegenbogen der Lust.  \n<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Petra Joy, seit 2004 alternative und unabh\u00e4ngige Porno-Filmemacherin, \u00fcber masturbierende M\u00e4nner, sexuelle Erziehung, Zensur und weibliche Orgasmen.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":75,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[8,5],"tags":[],"class_list":["post-74","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-interview","category-separee"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/utegliwa.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/74","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/utegliwa.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/utegliwa.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/utegliwa.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/utegliwa.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=74"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/utegliwa.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/74\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":158,"href":"https:\/\/utegliwa.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/74\/revisions\/158"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/utegliwa.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/75"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/utegliwa.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=74"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/utegliwa.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=74"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/utegliwa.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=74"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}