Erotische Seelsorge

Erotische Seelsorge

Nick Laurent, Edel-Callboy aus der Schweiz, über seinen Beitrag zum Wohle der Frauen, sein Bauchgefühl und die Lektionen seiner Mutter.

Nick, hast du dich bewusst dafür entschieden, Callboy zu werden, oder wie kam es dazu?

Nick Laurent: Ja, das war eine längere Entwicklung. Als ich 16 war, hatte ich schon mal einen kurzen Gedanken daran, so etwas zu machen, aber damals war das natürlich viel zu früh. Als ich 29 war, sagte ich mir, jetzt, da ich das letzte Jahr eine 2 vorn hab, muss ich noch was Verrücktes machen. Ich hab ein Inserat geschalten in der Zeitung, hatte bald die erste Anfrage und dann lief es plötzlich und ich machte eine Webseite.

Wie kam es zur Bezeichnung Edel-Callboy? Hast du dich selbst so genannt oder wurde dir der „Titel“ quasi irgendwann verliehen?

Ich biete mehr als nur den schnellen, austauschbaren Sex. Sobald ich merkte, worauf es den Frauen ankommt, konnte ich nach kurzer Zeit immer besser herausfinden, wo der individuelle Berührungspunkt zwischen mir und der jeweiligen Frau ist. Sie schätzen meine Einzigartigkeit im Umgang, den besonderen Humor und das natürliche Gespräch. Dabei sind erstklassige Umgangsformen und Diskretion, aber auch menschliche Reife und tiefes Verständnis Teil der Dienstleistung. Im Edel-Segment sehe ich mich selbst nicht nur anhand meiner Preise, sondern in der Exklusivität und den selektiven, raren Einsätzen. Ich arbeite bedacht und bewusst. Bei mir gibt es keinen Sex „von der Stange“, sondern eine auf die Frau, ihre Situation und innere Verfassung möglichst passende Begegnung.

Was für Frauen buchen dich denn?

Ganz unterschiedlich. Frauen von 18 bis 60, unterschiedlicher Berufsgruppen, aus ganz individuellen Beweggründen.

Aber kannst du sagen, ob es mehr gebundene Frauen oder Singles sind?

Die meisten Frauen sind Singles, verwitwet, geschieden oder schon länger alleinstehend, meist beruflich sehr engagiert. Darunter sind selbstbewusste, freiheitsliebende Frauen, die unzufrieden mit den zur Verfügung stehenden Männern sind und keine Beziehung möchten.

Wo triffst du dich üblicherweise mit deinen Kundinnen?

Meist im Hotel oder bei den Kundinnen zu Hause. Eher selten im Freien, manchmal ist meine Begleitung in erotische Clubs gewünscht.

Also ihr lernt euch nicht erst unverfänglich in einem Café kennen oder dergleichen?

Ich bin sicherlich zu einem allerersten Kennenlernen im Café treffbar, das hat aber noch nichts mit einer späteren Buchung zu tun. Sicher würde ich mir mehr Kulturveranstaltungen, Konzert- und Restaurantbesuche davor wünschen, aber ich denke aufgrund der immer noch vorhandenen Tabuisierung befürchten Kundinnen, in der Öffentlichkeit mit mir gesehen oder gar erkannt zu werden.

Was sind die häufigsten Wünsche der Frauen? Haben sie Spezialwünsche oder lassen sie sich lieber überraschen? Verkleidest du dich auch, wenn sie es wünschen?

Als mich damals die Tina, meine aktuelle Partnerin, gebucht hat, hat sie gesagt, sie steht auf Heavy Metal, da kam ich dann mit Lederjacke und offenen langen Haaren, so wie sie es sich gewünscht hatte. Aber sonst ist das Erscheinungsbild ganz normal, der nette Typ von nebenan.

Was erwarten die Frauen von dir?

Sie erwarten sicher eine unbeschwerte, angenehme Zeit, Zuneigung und Zärtlichkeit. Guten Sex, der nicht gleich nach fünf Minuten fertig ist. Manche erzählen mir ihre ganze Lebensgeschichte, manchmal höre ich still zu, manchmal sage ich was dazu.

Triffst du Frauen auch mehrmals?

Ich hab vorwiegend Stammkundinnen. Nur selten nehme ich als Ausnahme eine neue Kundin dazu. Meine Exklusivität muss gewahrt bleiben.

Entsteht dann doch eine Art Beziehung oder Affäre und wie hältst du die Frauen emotional auf Abstand, falls sie Nähe suchen?

Die Frauen, die mich jetzt schon über Jahre buchen, die wissen, dass ich in einer festen Beziehung bin. Ich gehe damit offen um, ich verschweige nicht, dass ich glücklich vergeben bin. Natürlich entsteht über die Jahre eine Art Beziehung und Vertrauensverhältnis, aber stets mit der Distanz der geschäftlichen Buchung mit monetärer und zeitlicher Abgrenzung.

Das heißt, du kommst eigentlich nicht in Konflikte zwischen Privat- und Arbeitsleben?

Nein, denn ich lebe Offenheit und kommuniziere, was ist.

Wenn dich Frauen, die du noch nicht kennst, buchen, siehst du vor dem Treffen Fotos der Damen?

In der Regel nicht, das ist die große Ausnahme. Meist weiß ich von den Frauen nur das, was sie schreiben oder am Telefon sagen. Aber bereits damit habe ich die Persönlichkeit, das Wesen der Frau, unabhängig von Äußerlichkeiten, relativ deutlich vor mir.

Hast du auch schon Anfragen von vornherein abgelehnt, weil du gemerkt hast, das fühlt sich merkwürdig an?

Ja, natürlich. Ich achte sehr darauf, was ich bei jeder ersten Kontaktaufnahme fühle, besonders wenn es um Wünsche geht, die ich nicht erfüllen kann oder will. Ich mach kein Sadomaso oder, was ich auch schon hatte, was mich sehr verwundert hat, so Sachen wie „ohne Kondom“. Da sage ich nein danke.

Was machst du, wenn du die Frau dann siehst und wirklich komplett unattraktiv findest? Ist das schon vorgekommen?

Theoretisch gibt es eine Passage auf meiner Webseite, die besagt, dass ich mir jederzeit das Recht herausnehmen könnte, zu gehen, aber es ist bisher noch nicht passiert, weil ich im Vorfeld vielleicht schon sehr genau spüre, wer das ist. Und wenn die Chemie stimmt, wie man so schön sagt, dann passt der Rest auch. Das Körperliche ergibt sich dann.

Das heißt, du hast noch nie ein Treffen vorzeitig abgebrochen?

Nein. Aber ich hab schon mal nicht so genau auf mein Bauchgefühl gehört und dann das Treffen zwar durchgezogen, aber es war dann für beide nicht so toll und man hat sich danach auch nicht mehr getroffen. Es war keine Katastrophe, aber es hat einfach nicht wirklich gepasst.

Du hast oder hattest tagsüber einen regulären Job. Betreibst du den Callboy-Job rein aus Leidenschaft oder gibt es auch einen wirtschaftlichen Aspekt?

Zu Anfang hatte ich eine eigene Informatik-Firma und einen Bürojob als Angestellter. Ich bin ja eigentlich gelernter Maschinenbaukonstrukteur, Informatiker und ausgebildeter Bodyguard. Das lief so lange gut, bis alles zu viel wurde, ich einen Burnout bekam und Prioritäten setzen musste. Damals entstand die Idee, Callboy zu werden. Ich habe das angefangen aus einer gewissen Leidenschaft heraus und weil ich denke, ich kann den Frauen auch sehr viel geben, nicht nur körperlich, sondern auch emotional und seelisch. Zuerst hab ich es nebenbei gemacht, tagsüber im Büro gearbeitet und abends und am Wochenende Buchungen. Im August 2012 hab ich dann mit meinem letzten regulären Job aufgehört und arbeite eigentlich nur noch als Callboy, habe aber zwischendurch immer mal Anfragen für eine Woche oder einen Monat Konstruieren oder Informatik. Gerade dieses Jahr habe ich drei Wochen am Flughafen in Zürich gearbeitet in der Informatik. Aber sonst lebe ich eigentlich von meiner Arbeit als Callboy, die ich sehr liebe und die mir auch Spaß macht.

Ich hab so den Eindruck, dass du es auch richtig vermissen würdest, wenn du nicht als Callboy arbeiten könntest.

Ganz genau, es ist eine tiefe Sehnsucht in mir und ich bin überzeugt, dass ich damit einen wertvollen Beitrag für die Frauen leiste.

Nimmst du deine Erfahrungen, die du als Callboy mit Frauen machst, mit in dein Privatleben bzw. umgekehrt, oder beeinflusst das eine das andere nicht?

Ich denke, jede Erfahrung, die man macht, egal wo, beeinflusst das eigene Leben. Das, was ich als Callboy erlebe, fließt dann auch in mein Privatleben ein und umgekehrt natürlich auch. Es lässt sich nicht vermeiden, ich bin eine Person.

Irgendwo habe ich gelesen, du hast dich zwischendurch als Pornodarsteller ausprobiert. Wie kam es dazu? Und warum hast du es wieder aufgegeben?

Ja, durch meine Arbeit hab ich natürlich auch gewisse Leute kennengelernt. Ich bin mit meiner damaligen Partnerin auf Erotikmessen gegangen, wir haben dort Werbung gemacht und kamen damit in Kontakt mit den entsprechenden Leuten. Irgendwann kam einmal die Anfrage, ob ich nicht Lust hätte, bei einem Porno mitzumachen. Ich dachte, okay, wieso nicht und hab’s gemacht, fand es dann allerdings ein bisschen schwierig und unnatürlich. Man stellt sich das immer so einfach vor, man hat eine tolle Frau vor sich – also, ich spreche jetzt aus der Sicht eines Mannes – und dann ist man geil und will die natürlich sofort … und was auch immer … Aber man vergisst dabei die Beleuchtung, den Kameramann, einen, der immer rumquatscht, der sagt, so und so und so. Es geht schon und es ist auch eine interessante Erfahrung. Aber weshalb ich eigentlich aufgehört hab: Es ist zum Teil sehr unorganisiert und chaotisch am Set. Also, du kommst hin, bist gut vorbereitet – wie auch bei Buchungen habe ich mich da mental drauf eingestellt, da habe ich so ein Ritual – du kommst also hin und findest, es ist noch nichts vorbereitet, da wird noch diskutiert: Was machen wir überhaupt? Du sitzt dann dort: Wann kann es endlich losgehen? Und irgendwann hast du einfach keinen Bock mehr, weil nur noch diskutiert wird. Und plötzlich soll es losgehen und du sollst in Großaufnahme funktionieren. Davor hast du dich aber vielleicht schon drei, vier Stunden aufgeregt. Ich bin eigentlich ein Typ Mann, der auf die Frauen eingeht und das kann man beim Porno natürlich nicht. Die Darstellerin ist genauso Profi wie der Darsteller, da ist oftmals nichts Persönliches. Das ist halt nur ein Job, da fehlt das Zwischenmenschliche, das Feeling. Deshalb hab ich gesagt, nö, für mich ist das nichts. Ich geh lieber meinen eigenen Weg, als Callboy hab ich einen gewünschten Kontakt mit der Frau, das ist persönlicher und man lernt sich dann auch als Mensch kennen.

Bist du eher ein „Einzelfall“ oder hast du viele Kollegen, die das in der Art und Weise betreiben, wie du das tust?

Klar gibt es sicher andere Callboys, die auf ihre Weise gut sind. Ich bin schon immer ein Einzelgänger gewesen und vergleiche mich nicht, erfahre aber von meinen Kundinnen von Qualitäten der anderen Herren und folgere daraus, dass ich in meiner Art ein „Einzelfall“ bin. Ich arbeite auch bewusst nicht mit Agenturen.

Genießt ein Callboy deiner Meinung und Erfahrung nach mehr Ansehen als ein Callgirl?

Ganz sicher, ja. Aber das liegt in erster Linie an der Wertschätzung der Konsumenten. Frauen schätzen mich und andere Callboys auf eine sehr menschliche, dankbare Art und zeigen dies auch. Während leider viele Männer den bezahlten Sex möglichst billig haben möchten, wahllos eine Frau für eine Art verlängerte Selbstbefriedigung wählen. Bis auf Ausnahmen, zum Beispiel Vanessa Eden, die auch im Edel-Segment gearbeitet hat und sicher die Wertschätzung gekriegt hat, die sie verdient.

Merkt man, dass sich daran langsam etwas ändert oder ist das wirklich immer noch so?

Ja, vielleicht ändert sich was. Ich würde mir wünschen, dass Frauen, die mehrere Männer daten, nicht gleich dumm angeguckt werden. In Berlin mag das bereits so sein, Berlin ist eine weltoffene Stadt, aber Zürich hat in Bezug auf dieses Thema eher noch die Tendenz zur Provinz.

Könnte man dich beispielsweise auch in Berlin buchen?

Selbstverständlich.

Verrätst du was über deine Preise oder ist das individuell verhandelbar?

Preise sind nicht verhandelbar. Es gibt eine klare Staffel. Die erste Stunde kostet 400 Schweizer Franken, jede weitere 300. Ab vier Stunden wird der Stundentarif nochmals angepasst.

Was war für dich die wichtigste Erfahrung aus deinem Job als Callboy? Hast du dadurch irgendwas über die Frauen, über das Leben, über dich selbst gelernt?

Vieles, was ich über Frauen weiß, hat mir meine Mutter vermittelt. Aber ich habe erkannt, dass jede Frau einzigartig ist in ihrem Verlangen, in ihrem körperlichen Ausdruck und in ihrer Feinfühligkeit oder Wildheit. Ich habe verstanden, dass jede Begegnung wertvoll ist und ich mein Ego ganz hinten anstellen muss, um zu erkennen, wen ich gerade erlebe.

Was hat deine Mutter dir in Bezug auf Frauen denn beigebracht?

Meine Mutter hat mir von Kind an ein tiefes Gefühl für die weibliche Schönheit und Zartheit, bedingungslose Freude und wahrhaftige Liebe sowie für weibliches Wohlwollen und Feinfühligkeit vermittelt.

Wie geht deine Mutter heute damit um, dass du Callboy bist?

Sie erlebt mittlerweile positiv, was ich mache, und vor allem, wie ich es mache: sauber, seriös, mit allen Frauen anständig umgehen. Sie hatte anfangs Angst, dass ich in ein bedenkliches Milieu abrutschen könnte.

Glaubst du etwas über Frauen zu wissen, was dich von anderen Männern unterscheidet und abhebt?

Ich glaube nicht, etwas zu wissen, sondern ich weiß es anhand der vielen Feedbacks und aktuellen Gespräche mit meinen Kundinnen, mit Frauen im Freundeskreis und sehr präzise durch meine Partnerin Tina. Sie alle erzählen mir ihre aktuellen und vergangenen Erfahrungen mit anderen Männern, seien dies flüchtige Begegnungen oder dauerhafte Beziehungen. Und diese Frauen spiegeln mir genau wider, was ich anders mache, was an mir wertvoll für sie ist und inwiefern ich ihr Leben bereichere. Denn ich sehe ihr Wesen, spüre ihre Sehnsüchte, die ganz eigene Magie oder den Zauber, den jede wahrhaftige Frau umgibt, erkenne und wertschätze ihre Einzigartigkeit. Oft erfahre ich leider, dass sich andere Männer diese vermeintliche Mühe aus Desinteresse, Unkonzentriertheit und Stress nicht machen wollen, oder sie aus reiner Ichbezogenheit gar nicht machen können.

Wirst du trotzdem noch etwas dazulernen können?

Mit Sicherheit, sogar sehr viel, denn die Vielfalt der Frauen ist grenzenlos. Keine lässt sich mit einer anderen vergleichen. Die Konstellation ist bei jeder Begegnung und jedem zwischenmenschlichen Austausch immer wieder neu. Ob erstes Treffen oder wiederholte Begegnung, es gibt immer eine Entwicklung, ein Vorankommen, ein Dazulernen. Wie meine Kundinnen oder meine Partnerin, so entwickle auch ich mich ständig. Wer andere Menschen aufmerksam wahrnimmt, liebevoll betrachtet und etwas von sich selbst gibt, bekommt meist sofort das Echo zurück. Deshalb bin ich begeistert von wahrhaftigen Frauen, die trotz Bezahlung verstehen, dass Nehmen und Geben eins sind. Also dass das, was sie bekommen, auch davon abhängt, was sie selbst zu geben bereit sind und zulassen.

Was war bisher deine merkwürdigste Erfahrung als Callboy?

Ich wurde von einem Schweizer Pärchen in ein Hotel nach Deutschland bestellt. Bei ihm war eine Prostata-Operation vorgesehen und er dachte, er würde einen Mann finden, der seine Frau befriedigen könnte, wenn er nicht mehr kann. Was mich dann aber irritiert hat: Er guckte zu und wollte das Ganze filmen, so als Porno für sich zu Hause und das geht absolut gar nicht.

Passiert das öfter, dass Paare oder mehrere Frauen dich zusammen buchen?

Mehrere Frauen? Das wäre mal lustig. Trauen sich das Frauen gemeinsam? Das wäre mir zumindest neu.

Hast du das noch nicht gehabt?

Nur für Striptease, für Geburtstage und Junggesellinnenabschiede. Da war eine lustige Geschichte, da musste ich in einer fahrenden Limousine strippen. Die Platzverhältnisse waren dürftig. Ich musste mich kriechend und schlängelnd meiner Sachen entledigen.

Von Pärchen werde ich öfter gebucht. Eine meiner allerersten Buchungen war auch ein Pärchen in einem Hotelzimmer – da hat er auch einfach zugeguckt. Ich habe auch männliche Kunden, aber mit denen mach ich nichts. Ich bin nicht bisexuell, ich steh nicht auf Männer, nur auf Frauen. Da werde ich dann auch ins Hotel gebucht und spiele dann einen Kumpel von dem Typen. Da ist dann natürlich auch eine Frau, die nicht weiß, dass ich gebucht bin. Und wir beiden Männer haben dann Spaß mit der Frau. Was auch schon vorkam, war, dass ich noch einen weiteren Mann mitnehmen sollte, dass wir dann zu dritt waren, also drei Männer und eine Frau. Da habe ich zum Glück meine Connections, wo ich noch den einen oder anderen geeigneten Herrn aufbieten kann.

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