Non Plus Ultra

Non Plus Ultra

Als ich mit 17 endlich das erste Mal Sex hatte, war es genau so wie ich es mir jahrelang sehnsüchtig vorgestellt und ausgemalt hatte. Es zeigte sich dass ich auch in der angewandten Praxis ganz begeistert von erigierten Penissen war. Ich ließ es mir nie nehmen, sie immer ganz genau zu betrachten und mit fast akademischer Neugier zu erforschen. Ich erprobte unterschiedliche Griffe und Handhabungen, leckte spielerisch an ihnen herum, experimentierte mit Mundfüllungen unterschiedlicher Konsistenz und Temperatur und stülpte meine Möse auf jede Art und Weise, die mir einfiel, genüsslich über sie. Kurz: Ich hatte einen Heidenspaß an ihnen. Am liebsten jedoch spürte ich sie ganz tief in mir. Wenn ich sie ritt oder wenn ich auf allen Vieren von hinten penetriert wurde, gefiel es mir am besten. Sex, das war jahrelang gleichbedeutend mit Penetration. Für Sex brauchte es einen Penis. Finger in meiner Möse waren zur Not auch okay, aber in meinem Schoß mussten sie schon sein, sonst zählte es nicht. Außen, speziell punktuell an meiner Klitoris, mochte ich gar nicht unbedingt berührt werden, da war ich viel zu empfindlich, das war mir regelrecht unangenehm. Auch geleckt zu werden konnte ich nicht aushalten, das war viel zu intensiv. Meine Männer hatten üblicherweise nichts dagegen, mich stattdessen ordentlich durchzuvögeln und mir auf diese Weise einen Orgasmus nach dem anderen zu bescheren. Ich konnte es überhaupt nicht verstehen, warum man hin und wieder hörte und las, dass Frauen so verrückt danach sind, geleckt zu werden. Ich empfand nicht einmal Verlangen danach, meine Klitoris von außen selbst zu stimulieren.

Ich war schon Anfang dreißig, als ich dem Mann begegnete, der mein sexuelles Universum um einige Dimensionen erweiterte. Bis dato hatte ich mich meinem Verlangen nach einem Mann nie widersetzt. Sah ich einen den ich wollte, nahm ich ihn mir. Es war von Anfang an die natürlichste Sache der Welt, meiner Lust zu folgen. Dann hatte ich eine längere Beziehung, in der ich vollkommen treu war, aber eben weil ich nur den einen Mann wollte.

Die Begegnung mit S. veränderte mein Leben vollkommen, nicht nur sexuell. Es war das erste Mal, dass ich einen echten Konflikt bewältigen musste. Als ich ihn zum ersten Mal sah, fiel mir als erstes auf, wie geschmeidig es sich bewegte. Und wie er mich von Weitem schüchtern aber eindeutig mit seinen langbewimperten hellen Kinderaugen anhimmelte. Er wusste von gemeinsamen Freunden, dass ich ein kleines Kind hatte und kurz davor stand, mit meiner Familie auszuwandern. Nie hätte er den ersten Schritt auf mich zu gemacht. Ich aber kostete seine Bewunderung aus und befeuerte sie immer weiter. Seine Blicke schmeichelten mir, seine Unbeholfenheit wenn er mich sah, amüsierte mich. Ich hielt meine Koketterie für harmloses Spiel. Schrieb ihm unter einem Vorwand eine Mail und traf ihn in einer Mittagspause. Und wähnte mich dabei vollkommen sicher, denn ich würde schon wenige Wochen später das Land verlassen, es war alles arrangiert. Ich involvierte ihn in immer deutlichere Mails, aber je expliziter sie wurden, desto weniger konnte ich ihm bei unseren Treffen in die Augen sehen, denn ich wollte seinen überaus sinnlichen Mund inzwischen wirklich küssen. Na gut, küssen war okay, angesichts meiner baldigen Abreise, sagte ich mir und wir verabredeten uns eines mittags zum Knutschen im Park. Unsere Küsse waren leider unfassbar spektakulär. Es machte mich schier wahnsinnig, nicht einfach so über ihn herfallen zu können, wie ich es meinem Naturell folgend getan hätte. Ich konnte mit dieser stets wachsenden, ungestillten Lust überhaupt nicht umgehen. So konnte es nicht weitergehen, so würde ich die mir verbleibende Woche niemals bei Verstand überleben. Also trat ich die Flucht nach vorn an und verbrachte eine weitere Mittagspause in seinem Bett, in der verrückten Hoffnung, dann endlich von der Qual befreit zu sein. Bei der Gelegenheit wurde mir jedoch klar, dass ich diesen Mann so leicht nicht wieder würde hergeben können. Jede seiner Berührungen war perfekt. Und er hatte den schönsten und begabtesten Schwanz, den ich je erlebt hatte. Die letzten Tage litt ich entsetzliche Qualen. Wir sahen uns täglich in den Mittagspausen, mehr freie Zeit hatte ich nicht. Er presste mich auf den kurzen Spaziergängen so fest an sich als wolle er mit mir verschmelzen. Wir waren furchtbar verzweifelt. Mein Job war längst gekündigt, ebenso unsere Wohnung, die Lagerung unserer Möbel war arrangiert. Dann, am letzten Tag bevor wir die Flüge fest buchen mussten, hielt ich es nicht mehr aus: Ich beichtete meinem Freund was geschehen war und er fiel aus allen Wolken. Er flennte und flehte, aber ich wusste ich würde nicht mit ihm weggehen können, obwohl ich ihn liebte. Wo meine Libido hinfiel, da wuchs kein Gras mehr. In der Hoffnung ich würde recht schnell zur Vernunft kommen, wenn ich mich erstmal ordentlich ausgevögelt hätte, bot er dann an, mir drei Wochen Zeit zu geben, um mich auszutoben. Er selbst wollte unser Kind nehmen und wegfahren. Ich konnte mein Glück (das Drama kam später) kaum fassen, packte ein paar Sachen und zog zu S.

Unser Verlangen war schier unstillbar. Es war von vornherein klar, dass drei Wochen niemals ausreichen würden um unsere Begierde auch nur ansatzweise zu befriedigen. Wir hatten schon geglaubt, wir würden nie mehr miteinander schlafen und kosteten nun jede gemeinsame Sekunde, jeden Quadratzentimeter unserer Haut in höchstem Maße aus. Im Verlauf unserer ersten denkwürdigen Nacht, in der wir nicht voneinander abließen, kniete ich einmal mit erhobenem Hintern auf dem Bett, um auf dem Boden nach einem Glas Wasser zu angeln. S. schob sich von hinten an mich heran, fasste meine Hüften und begann mein Geschlecht zu lecken, nicht nur die Klitoris sondern mit flacher Zunge fest über die gesamte Breite. Die Empfindung war eine Offenbarung. Ich hielt sofort gebannt inne und spürte, wie sich die über Wochen aufgestaute erotische Energie aus meinem ganzen Körper eiligst unter seiner Berührung bündelte und zu brodeln begann. Nur wenige Zungenschläge später kam ich mit einer bislang ungekannten Wucht. Einen solch gewaltigen und mein ganzes Wesen erschütternden Orgasmus hatte ich vorher noch nicht erlebt. Tatsächlich hatte ich in meiner jugendlich naiven Arroganz nicht einmal geahnt, dass meine bisher als non plus ultra empfundene Lust noch zu steigern war. Der Bann, der auf meiner Vulva gelegen hatte, war damit jedenfalls gebrochen. Seither gehört ein guter Cunnilingus zum hoch geschätzten Bestandteil meines Liebeslebens, aber das non plus ultra blieb auch der nicht, genauso wenig wie die Säulen des Heraklit das Ende der Welt markierten.

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